und war es vor der zeit, als das kind glaubte, die bezeichnung sträfling leite sich von jenem dicken gelben streifen her, diesem balken, den sie rücklings auf der jacke trugen, die wiederum tiefblau – einmal, anfang der 60er jahre, als das kind gerade das buchstabieren lernte, beobachtete es die sträflinge auf dem gelände diesseits des baches: sie befüllten den sandkasten mit gelbem sand, brachten die wege in ordnung, trugen schotter auf.

Das kind beobachtete das alles, durchs fensterglas, das den blick noch zu schärfen schien: bislang waren diese leute nur auf dem innenhof der haftanstalt jenseits von bach und mauer zu sehen gewesen, so man vom obergeschoß oder dachboden aus hinüber schaute, und gelegentlich hatte man ihre gesichter hinter den vergitterten fenstern entdecken können, blaß, sonderbar entrückt …

Und nun brachten sie den neuen sand und schotter, bestehend aus weiß-bläulich gesprenkeltem gestein mit einschlüssen, die funkelten. Ein gestein, auf dem die kinder sich die knie blutig schlugen, ein ums andere mal, so eines fiel, im spiel, und das sollte oft geschehen, bis das ganze endlich mit einer teerdecke besiegelt wurde. Das kind beobachtete das alles und wußte nicht, weit vor der zeit, daß es dereinst selbst einen streifen auf dem rücken tragen würde …

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