die in der Schulzeit eine wiederholte Übung darstellten, wobei es wohl zumeist die Gemälde Alter Meister waren, die wir zu beobachten hatten, nie Photographien. Derweil mir eine Aufnahme nicht aus dem Kopf gehen will: die Abbildung zeigt einen jüngeren Mann, hinterm verglasten Schalter eines Verkaufswagens hockend – er starrt vor sich ins Leere, wirkt wie weggetreten, vielleicht, weil keine Kundschaft in Aussicht, er es sich leisten kann …

Natürlich die Überlegung, was in seinem Kopfe vorgehen mochte, in diesem Augenblick, da ihn der Photograph festgehalten, was er möglicherweise nicht einmal wahrgenommen. Im Warten gerinnt die Zeit, dachte ich, gleich Blut, das aus einer Wunde ausgetreten – die Zeit scheint uns kein zuverlässiger Taktgeber, weshalb wir sie immer wieder messen, doch von manchen Leuten heißt es, sie hätten ein gutes Zeitgefühl … Der Chef zu seiner Linken, weißbemützt, hebt den Arm, den Blick auf die Schüssel mit Senf gerichtet. Bockwurst m. Br. 0.85 ist auf einem Aufkleber zu lesen, die Regale an der Rückwand bis auf eine Petroleumlampe leer …

Gerhard Gäbler: Fotografien 1978 – 1999. Verlag der Kunst, Dresden 2000. Das Foto trägt den Titel Halle 1989

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