Archive für den Monat: November, 2012

dieser tage, als ich per rad in der abenddämmerung unterwegs, eine unzahl falter, blaßweiß, dicht überm waldboden schwirrend, als wären sie gerade erst aufgestiegen, aus dem laub – im lichtkegel glommen sie kurz auf, um wieder zu vergehen, im dunkel, zu zergehen gleich eines schnees, der allzu wässrig …

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Die Lesungen zum diesjährigen Dresdner Lyrikpreis boten Überraschungen – so etwa die Gedichte des in Děčín lebenden tschechischen Autors Radek Fridrich, die mich an Epitaphe erinnern. Tatsächlich ist der Autor öfters über Böhmens Friedhöfe gestreift, und die auf den Grabmälern verzeichneten Namen und Daten der Toten, aber auch alte Photographien bildeten den Ausgangspunkt für seine poetischen Erkundungen. Fridrich verleiht ihnen eine eigene Stimme, manche der Lebensgeschichten reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und eine Kulturlandschaft zurück, die durch tschechische, deutsche und jüdische Einflüsse geprägt ist. So entfaltet sich eine Art biographischer Landkarte dieser Region, und es sind vor allem die sogen. kleinen Leute, die der Autor zu Wort kommen läßt … Der zweisprachige Band Nebožky/ Selige (tschechisch und deutsch), in dem die Früchte dieser Erkundungen zu finden sind, ist 2011 bei perplex in Brno erschienen.
Ein Beispiel:

Die Windmüllerin

Mein Sohn war ein Wildfang,
von Kind an eigensinnig.

Im Dorf hatte er keine Freunde,
wir wohnten am Friedhof.

Er sang oft mit dem Wind in der Mühle.
Krähte mit den Raben,
wenn sie durch die Landschaft zogen.

Einmal breitete er die Arme wie Flügel aus
von da an sah ihn niemand jemals wieder.
(Transl. Jana Krötzsch)

immer öfter auf meiner alltäglichen route entdecke ich sie, die kryptischen zeichen der vermessungsingenieure, mal als kreis, punkt, ziffer oder pfeil, in unterschiedlichen farben – wenn sie auftauchen, ist es mit der ruhe zumeist vorbei, in absehbarer zeit. Früher nannte man sie landvermesser oder auch nur landmesser, ausgeschickt von einer obrigkeit, was abzuscheiden vom landlaib, oder ihn in stücke zu zerlegen, mit feiner klinge …

Vor tagen noch flecken von schnee in der heide, gleich zerpflücktem papier – schon lange kein gedanke mehr an die welt der papiere, in der ich vor zeiten schwelgte, die der achat- und seidenpapiere, des büttenpapiers mit den wasserzeichen; lang schon nicht gehadert mit den lumpen in der papiermühle, nein, kein gedanke daran, seit ich einmal den blick versenkt in einen jener bottiche, in denen zerfällt, was vordem die blöße bedeckt, als vorhang oder laken gedient, was einem im verdeckten hat operieren lassen, schwindel erzeugt …