nun melancholie, abends, da die schatten schon wieder länger werden und ich mich zwangsläufig der sommerabende erinnere, wo das alles noch von bedeutung, ich mich ihnen spielerisch näherte – von diesem gefühl, dieser stimmung ist noch etwas gegenwärtig, nicht alles in die innersten lagen verdrängt. Es läßt sich ja nur das erinnern, d.h. veräußern, was man ins innerste hineingelassen und dort verwahrt, wiewohl da was mit den gütern, die man sozusagen ins herz geschlossen, geschieht und man zugleich an einem status quo festhalten möchte: so ist es gewesen … Was dann ab und an immense auseinandersetzungen um den wirklichkeitsanspruch dieser erinnerungsgüter zeitigt. Manche erinnerungen, die bilder zumal, erscheinen häufig als exponate einer dauerausstellung, von der man alle stücke schon kennt … In jürgen beckers journal fand ich heute dazu folgenden satz:

Es geht darum, daß die Erinnerung sich in Unbekanntes aufmacht; daß sie über die Grenzen ihrer Reichweite hinauskommt; daß sie vergißt, was sie alles schon kennt.
[Auszug in SINN UND FORM, Viertes Heft, 2013]

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