Anfang November wird Uwe Hübners lang erwarteter neuer Gedichtband unter dem Titel „Jäger Gejagte“ in der Reihe Neue Lyrik des Poetenladen erscheinen.

Ab und an habe ich den Eindruck, daß Hübners Gedichte ein härenes Gewand bilden, in dem das dichterische Ich in der Großstadtlandschaft unterwegs ist, und gelegentlich juckt ihm das Fell, ist die Stimmung aufgekratzt – obwohl diese Gedichte so anders als beispielsweise Whitmans Gesänge, Bukowskis underdog-Prosa oder die expressionistische Großstadtpoesie/szenerie eines Georg Heym, ist ihnen doch diese Sensibilität für die existentiellen Brüche gemein, die schon im Ansatz des Urbanen zu finden resp. das Urbane selbst darstellen, dessen Charakter oder Wesenszug sind. Vielleicht ist das ihnen Gemeinsame auch dieses Fieber des Getriebenen …

VIER KONSPIRATIVE KÖPFE

in Ehren und Ernst auf den Rümpfen

um einen kuriosen Säulentisch

im Wohnzimmer eines der Köpfe versammelt –

keiner war was Besonderes geworden.

Standen. Tranken. Setzten Zigarren in Gang.

Es gab Urpils Johnnie Walker. An der Decke

in imaginären Lettern kerzenverraucht:

Alle zehn Jahre ein Treff. Dies war der vierte.

Rotgeäderte Augenlider

Bäuche vor sich hertragend

Scherze über XY, die keiner gehabt hatte.

Irgendwann fragte Kopf drei Kopf zwei

ob er sich erinnere, vor neunzehn Jahren

in einer verrückten Nacht, bierschwere Beine

mit dem Fahrrad entlang des Kanals

beuliges Pflaster

Milliarden durchgedrehter Glühwürmchen

wild in der Luft

Massen von Sternen, ein rasender Mond

und daß er gesagt habe, so wird es nie wieder!

Kopf zwei wußte nichts mehr davon.
[Uwe Hübner]

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