Dieser Restglaube an die Sache, noch 1971, d.h. eigentlich schon an eine andere Art von Sozialismus als den alltäglich erlebbaren in der DDR, eher an einen, wie er sich in der Französischen Republik hätte konstituieren können, in der Tschechoslowakei oder eben in Chile. Doch mit all den Demokratisierungsansätzen und der Umverteilung von oben nach unten unter Allendes Präsidentschaft, der Verstaatlichung von Grund und Boden, der Kupferminen, der Landverteilung an verarmte Schichten war der Kapitalismus mitnichten abgeschafft.

Der Zeitgenosse hatte zur Leipziger Frühjahrsmesse 1971 den Stand Chiles aufgesucht und Prospekte mitgenommen, in denen die nationalisierten Kupfertagebaue abgebildet waren, auf beeindruckenden Hochglanzphotos, und hatte wohl in seinem Eifer geglaubt, daß dieser enteignete, nun staatliche Konzern nicht etwa mit harten Bandagen um Marktanteile kämpfte, sondern in der Weichzeichnung jedweden solidarischen Gedankens, unser aller Hingabe, sein Herz, seine Arsenale öffnen müßte. In diesem Moment hätte der Zeitgenosse auch erahnen können, daß Solidarität in der Gefahr steht, jene zu kolonialisieren, die man damit bedenkt, auf die man ganz eigene Erwartungen projiziert …

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