da ich gerade nochmal den anfang von hilbigs provisorium lese, jene stelle, wo er sich in münchen aufhält, in der wohnung eines freundes, der auf längerer fahrt, und ihm eines abends schlagartig bewußt wird, hier eigentlich fremd zu sein, in diesem land, in dem er doch schon zwei jahre lebte und seine herkunft beinahe vergessen – ich erinnere mich in diesem moment der eigenen verunsicherung, als ich im oktober ’89 in einem riesigen hotel in frankfurt/m. untergebracht war, gelegentlich der buchmesse, zu der mein verlag mich eingeladen, und mich kaum an den empfangstresen heranwagte, auf den andere so zielstrebig zusteuerten, um ein- oder auszuchecken, nach post zu fragen – ich ließ ihnen den vortritt, jenen, die scheinbar bestens vertraut mit dieser welt und ohne zu zögern an mir vorbei, die bediensteten sofort auf sich aufmerksam zu machen wußten, während ich mich ans ende der theke bewegte, zaghaft, zage … Ich fand das anfangs eine nummer zu groß, zu chic für mich, vertelefonierte auf dem zimmer eine menge geld …

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