Archive für den Monat: November, 2014

jener mann, den ich morgens an der straßenecke beobachtete, schälte seinen schatten ab, von der mauer, vom asphalt; diese ablösung glich einer operation, langsam, vorsichtig, als ob der schatten eine haut, die allzu dünn, transparent …

der sprachfluß von kavafis gedichten, mehr herb, episch, aber melodisch – man muß sie sich vorsprechen, auch in der deutschen übertragung, um beim lesen nicht ins stocken zu geraten. Scheinbar gibts auch unterschiede zwischen den hidden poems, die allesamt komprimierter wirken und soeben unter dem titel „im verborgenen“ im verlagshaus j. frank erschienen sind (in der übertragung von jan kuhlbrodt und giorgos kartakis), und den größtenteils auf die zehner und zwanziger jahre datierten gedichten in einem inselbändchen aus dem jahre 1979. Mit letzteren habe ich mich in der vergangenheit immer schwer getan, obgleich da mit adolf endler und helmut von den steinen ein bewährter nachdichter und ein profunder kenner neugriechischer literatur die übertragungsarbeit geleistet haben. Die erzählerische herbheit der langzeiler, dieser flattrigen, züngelnden zeilen, vielzeiligen strophen verursachte anfangs blockaden, ich vermochte nicht das feuer zu spüren resp. diese untergründige glut, die den leser zeile für zeile voranzutreiben in der lage … In diesem sinne bilden die neuübertragenen und zum teil erstmalig ins deutsche übersetzten gedichte der sammlung im verborgenen einen wunderbaren einstieg.

Januar 1904

Diese Raunächte, in denen ich sitze
und in Gedanken Augenblicke modelliere
und dir begegne, unsere letzten Worte höre wie die ersten.

Verzweifelte Nächte des Januar, wenn das Trugbild verschwimmt
und mich hier allein zurückläßt.
Wie schnell es verschwindet, eilig sich auflöst –
die Bäume verschwunden, die Straßen,
die Häuser verschwunden, die Lichter erloschen;
deine leibliche Gestalt wird Nebel, vergeht.
[aus Im Verborgenen, S. 33]

träumte, nachmittags in den usa mit freunden in einem lokal zu sitzen, nichts besonderes, und als die kellnerin nach unseren speisewünschen fragt, erkläre ich, daß mir etwas kleines reiche – kleine sachen haben wir nicht gibt sie zur antwort, bei uns ist die sache immer groß, wobei mit sache wohl eines jener standardgerichte gemeint ist, das die meisten bestellen, überbackenes, mit einer zerlaufenen schicht käse obenauf …