Archive für den Monat: Mai, 2015

auf der straße eine person, tiefrosa schal, gleich einer warnbake, scheint er aus stahl, zumindest einem starren stoff, der unbeweglich, obgleich es windig, kein flattern, kein zager flügelschlag, und selbst im näherkommen das gesicht der person kaum kenntlich, nur dieser schal, dann die jacke, violett –

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wir waren junkys von anderem schlag, wir, die wir jeden nur etwas verrätselt erscheinenden rocksong gleich nach botschaften aus dem reich der drogen abklopften (hörst du mich klopfen, hörst du mich altern, spürst du auf deiner zunge das erste graue haar), botschaften, die mehr oder weniger kryptisch, in manchen der songs ganz offensichtlich, und wußten natürlich, wer von den rockstars selbst ein junky – was sicherlich gut für einen rausch, wie der alkohol, den wir in maßen tranken, doch kaum tauglich, das bewußtsein zu erweitern, und gerade dies erschien uns als das verlockende. Transzendenz, erleuchtung, weshalb wir an den papierlippen timothy learys hingen, die offenbarungen des tibetanischen totenbuchs und des popul vuh durchforschten, und was wir noch alles ausgruben, mitsamt den bekenntnissen eines opiumessers … All dies verbunden mit dem probieren anderer formen eines zusammenlebens, den reimen, die wir uns machten, auf kommune I, kommune II … Wir trugen den keim einer utopie, einer erzählung in uns, gegen die das vorgegebene verblaßte –

gefangenschaft schien das normale, tiere in gefangenschaft zu sehen die norm, in käfigen, gattern, hinter gittern, barrieren, und selten ist mir bewußt geworden, siebzehn jahre, die ersten siebzehn meines lebens, direkt neben einer haftanstalt aufgewachsen zu sein, unter der obacht jener, die das personal für diese anstalt stellten; die trakte, vergitterten fenster immer in sichtweite, wuchsen wir in deren höfe hinein, auf die wir von schlaf- und kinderzimmer aus blicken konnten; vom gelände aus waren nur die oberen etagen der gebäude sichtbar, hinter der mauer, wo es lauerte –

gefangenschaft schien die norm, auch für uns in der enklave, diesseits der mauer, von deren präsenz gefangengenommen, uns ab und an in einen aufgelassenen vorhof der anstalt wagend, der zu unserem grundstück hin offen, wo wir fanden: wilde stiefmütterchen am mauerfuß, ein gras, das vergilbt, einsilbig, stirnseitig eine stahltür, verschlossen, natürlich; die mauer zur straße hin zum teil untergraben, da zwängten wir uns hindurch, aus der halbfreiheit in den straßengraben rutschend, der tief –

gefangenschaft schien das normale, die existenz von anstalten – manchmal setzten wir einen brummer fest, in einem käfig aus kork und stecknadelstäben, daraus dann dies summen zu vernehmen, unaufhörlich, ein ton, der nervös machte … gitter, gatter, stäbe, das gedicht vom vorübergehen der stäbe kannten wir noch nicht, ab und an der blick in ein häftlingsgesicht, oder auf die gestreifte kleidung, als hätte sich ihnen der schatten der gitter eingebrannt, und wir, jenseits der stäbe, der mauern, auf ein vertraut-ungekanntes lauernd, in diesem treibhaus …