gefangenschaft schien das normale, tiere in gefangenschaft zu sehen die norm, in käfigen, gattern, hinter gittern, barrieren, und selten ist mir bewußt geworden, siebzehn jahre, die ersten siebzehn meines lebens, direkt neben einer haftanstalt aufgewachsen zu sein, unter der obacht jener, die das personal für diese anstalt stellten; die trakte, vergitterten fenster immer in sichtweite, wuchsen wir in deren höfe hinein, auf die wir von schlaf- und kinderzimmer aus blicken konnten; vom gelände aus waren nur die oberen etagen der gebäude sichtbar, hinter der mauer, wo es lauerte –

gefangenschaft schien die norm, auch für uns in der enklave, diesseits der mauer, von deren präsenz gefangengenommen, uns ab und an in einen aufgelassenen vorhof der anstalt wagend, der zu unserem grundstück hin offen, wo wir fanden: wilde stiefmütterchen am mauerfuß, ein gras, das vergilbt, einsilbig, stirnseitig eine stahltür, verschlossen, natürlich; die mauer zur straße hin zum teil untergraben, da zwängten wir uns hindurch, aus der halbfreiheit in den straßengraben rutschend, der tief –

gefangenschaft schien das normale, die existenz von anstalten – manchmal setzten wir einen brummer fest, in einem käfig aus kork und stecknadelstäben, daraus dann dies summen zu vernehmen, unaufhörlich, ein ton, der nervös machte … gitter, gatter, stäbe, das gedicht vom vorübergehen der stäbe kannten wir noch nicht, ab und an der blick in ein häftlingsgesicht, oder auf die gestreifte kleidung, als hätte sich ihnen der schatten der gitter eingebrannt, und wir, jenseits der stäbe, der mauern, auf ein vertraut-ungekanntes lauernd, in diesem treibhaus …

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