die zur Zeit laufende Debatte (oder eher Polemik?) zum Stellenwert der Lyrik in der Literatur wie in der Gesellschaft, um ihre Wahrnehmung und Bedeutung in der/ für die Öffentlichkeit, ihre Rezeption, birgt für mich kaum Neues. Was aber nicht bedeutet, daß ich sie nicht für notwendig erachte. Denn darin steckt auch das Bemühen, sich als künstlerische Existenz zu verorten. In ihren Grundzügen sind mir ihre Fragestellungen seit den Zeiten vertraut, da ich mich mit Gedichten zu beschäftigen begann, gegen Ende der 60er Jahre. Und ich vermag mich an etliche Auseinandersetzungen zu erinnern, die wir im Freundeskreis oder auf diversen Bezirks-Poetenseminaren, Werkstätten usw. führten, im Schatten von Debatten, die für die Protagonisten z.T. erhebliche Folgen gezeitigt hatten, wie beispielsweise jene in der ersten Hälfte der 60er, an der Dichter wie Reimann oder Endler beteiligt gewesen, noch unter den Argusaugen der ideologischen „Inquisition“, in Gestalt des Formalismusvorwurfs etwa (50er), oder des Vorwurfs, sich nicht genügend an den Maßgaben des Sozialistischen Realismus zu orientieren. Was wir uns da ein Jahrzehnt später lieferten, schien vor diesem Hintergrund harmlos …

Letztendlich ging es jedoch stets um die alte Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Dichtung, ihrem Zweck, nach ihrer politischen Dimension (allgemein: der politischen Dimension von Kunst), wie politisch ein Gedicht sein sollte und ob ihm überhaupt ein Zweck unterstellt, es einer Dienstbarkeit unterzogen werden sollte. Wobei als das Politische wohl der Keim des Subversiven betrachtet wurde, den es in sich trägt oder selbst darstellt – die Frage z.B., ob es sich subversiv zum hegemonialen gesellschaftlichen Diskurs verhält oder sich von ihm formieren, vereinnahmen läßt. Wobei das Subversive hier in seiner Eigenschaft, sich untergründig zu bewegen, zu vollziehen, im Vordergrund stand. Es stellte in diesem Sinne eine Art Subtext zum hegemonialen Diskurs dar. Und der mußte nicht vordergründig politisch sein.

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