Archive für den Monat: Dezember, 2015

morgens nebel, bis in die dämmerung hinein, dann verflüchtigte er sich rasch (wie unsereins, gelegentlich, vor sich selbst auf der flucht, oder vor der gegenwart, den notwendigkeiten … Und lediglich das flüchtige gehört uns ganz, so scheint es –

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gestern mittag der begriff epochenschmerz – ich weiß nicht mehr, an was ich gerade dachte, in welchem kontext mir dieser begriff aufschien, der auch eine umschreibung für das leiden an den verhältnissen darstellen mag, an den verhältnissen, von denen eine epoche geprägt resp. diese ausmachen und in die man involviert – erinnerlich ist mir nur, daß mein blick zuvor auf richters 89/90 gefallen und mir danach tellkamps turm und seilers kruso in den sinn gekommen waren, obgleich alle drei zuvörderst eine endzeit abbilden, in der noch einmal vieles von dem an die oberfläche trieb, was jahre- oder jahrzehntelang mehr oder weniger das wesen dieser epoche bestimmt hatte, genannt deutsche demokratische republik … Näherliegend wäre es, in diesem zusammenhang an einen analytisch genauen dichter wie volker braun zu denken, in dessen werk der epochenschmerz eine art roten faden bildet, angefangen von die kipper bis hin zu machwerk und werktage.

In den suchmaschinen fand sich nur ein treffer für diesen begriff, jan peter grevel* verwendet ihn in verbindung mit der romantik, schreibt vom epochenschmerz der romantik, dabei geht es um diverse gemälde casper david friedrichs und um schleiermacher, um die frage menschlicher selbstüberhebung und der stellung des menschen in der natur. Bildern von c.d.f. wie mönch am meer und abtei im eichwald attestiert er eine demutsvoll-resignative Einsicht in die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten inmitten des Kosmos, und erkennt darin auch einen moderne-kritischen Reflex, wie er sich hier z.b. in der darstellung eines einsamen menschen in der natur zeige …

*Jan Peter Grevel: Mit Gott im Grünen. Eine Praktische Theologie der Naturerfahrung. Vandenhoek & Ruprecht, 2014.

was an zeugnissen von einem leben bleibt, wird immer weniger, trotz der digitalen möglichkeiten – ich beobachte es am beispiel von vaters hinterlassenschaften: jetzt, da mutter nur noch über ein zimmer im heim verfügt, mit ein paar eigenen möbeln und dingen, und der ausleserechen erneut über das hinweg geht, was überzählig an büchern, schallplatten, urkunden und medaillen (die hier, auf dem boden des grundgesetzes, ohne geltung, so wie die landkarten aus den 60er/ 70er jahren, allesamt überzogen von der patina einer raucherexistenz, diesem geruch, dessen halbwertzeit niemand kennt) – was fängt man mit all dem an, wenn kein platz in der eigenen wohnung, museen und bibliotheken voll davon? Vater war gewiß ein außergewöhnlicher mensch, als zeitgenosse hingegen eher einer von vielen, einer von denen, die namenlos geblieben …