Archive für den Monat: Juli, 2017

im ahorn morgens eine etwas unflätig wirkende debatte zwischen vier eichelhähern, die sonst nie in den revieren spechts, das hat er denen sicher übel genommen und andernorts eine beschwerde in die borke gehämmert, ohne punkt und komma, wie immer, und folglich gab es signale von verschiedenen stellen, einlaufende depeschen, alef an gimel und dalet über bet, jenseits der waldung derweil das summen der stadt anhob, hinterwäldlerisch, und eine holztaube, grauselig, lachte sich eins …

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neuerdings viel licht in den träumen, taglicht, weite räume, die farben spärlich, draußen die gebundene rede regens, dessen druckfahnen am fensterglas, unentzifferbar, gelegentlich unterbrochener monolog …

das gesumm einer fliege im doppelfenster, als spräche jemand mit mir durchs telefon, und mein ich, im raumanzug, auf irrfahrt, kosmischer passagier, summe von dialogen …

abgetaucht, gleich einem dieser vögel, die die tagluft nicht mögen, sich knittrig geschlafen, auf dem sofa, morgens viertel vor acht, wenn auf der straße die gleitzeitpioniere, ohne rettungsschirm an der börse, während das ich im suchtmantel verharrt …

wieder eine nacht, in der nur der fahle schimmer, links, von der klinke der tür, wohin sich mein blick zuerst wendet, im erwachen, in diese dichtere formation dunkels, in der die klinke allein, als hätte sie das licht aufgespart, ein leuchten von innen, weniger die furcht, dass da wer –

von der kälte kein wort, sagten sie, es war in der dämmerung, dunstschwaden, grau blau, ein blick hinab auf die strasse, den asphalt, der boden gefroren, kristalle hatten sich gebildet, an den rändern, im wahn, spitze nadeln, klingen, scharf, gleich der unserer stimmen, von der terrasse herab, und von der kälte kein wort, wieder abgetaucht in der tönernen schale lichts, himmelwärts –

ist das ein beweis, dass du als kind schon dem tod unters augenlid, schattenlid geschaut, im schatten jenes langgestreckten gartens, in den die hortgruppe nachmittags geführt, in schatten, die von hecken und kiefern herrührten, die diesen wiesengarten flankierten, am rande des musikerviertels, in jenem garten, den wiederzufinden du wenig später schon nicht mehr in der lage gewesen …

morgens schauer, das regenschirmgerippe seit monaten im eimer, an einem der straßenränder im viertel, der tod lauert im mundwinkel, macht sich keinen reim darauf, durch hamburger straßen jagen behelmte kohorten, einsamer nie auf den lippen …

* Titel eines Songs von Heinz-Rudolf Kunze