Archive für den Monat: April, 2019

ich habe sie nie fotographiert, die robinien an jener blind endenden strasse zum bahnhof hinauf, die möglicherweise erst nach dem krieg angepflanzt, als es im industriestädtchen aufwärts ging, nein, nie fotographiert, aber ich könnte immer wieder von ihnen schreiben, wie den überzähligen gängen hinauf und hinab, in einem licht, das nicht absehbar, nie dasselbe, auch wenn es das der laternen war; in der robinien blattschatten hinauf und hinab, und selbst zeitig am morgen, vor fünf, ein erwarten, wenn ich in die strasse einbog, die gepflastert, wie der fußweg –

die ziellosigkeit des alters, abgestellt wo, in einzimmerbetten, dieser vogel in mir, welch rauch, schläft nie, sein ton gegen mitternacht, restschall, der durchs fenster dringt –

gestern nachmittag in der blüten treiben den wagen bestiegen, winzige weiße blätter wirbelten ins innere, es war wie in einer anderen zeit – es scheint ein drang, die gegenwärtige nicht wahrhaben zu wollen, als ob die zeitgenossen all dem überdrüssig, und genießen mögen sie es nicht, dass die gewissheiten abnehmen, nicht nur dem alter geschuldet –

stoppt die monduhr, sofort, löscht der blüten schnee, ehe der frühe vogel zu zwitschern beginnt. Mag er verschlafen, wie ich in einem früheren leben, derweil im heimkino nur die wiederholungen der träume von einst zu sehen sind und die zuschauerin in ihren wachmomenten summt: den hatt‘ ich doch schon –

Wenn man nach dem film ans taglicht wankte, so abrupt aus dem sessel traums, benommen nicht zur sprache zu finden vermochte – es war schmerzhaft, derart aufzuwachen, während drinnen in einem noch der abspann lief, mit den namensverzeichnissen der traumwachen –

irgendwann wird man zum kosmischen object, sendet signale aus, signale, die jetzt schon in meinem ohr, gleich morsezeichen, dieser metallische ton –

von den zufälligkeiten her schreiben, argumentierte das ich, wobei in diesem begriff der durchaus ambivalente der fälligkeit lungert, von rechnungen etwa, terminen, oder es gar raunt: nun bist du aber fällig! Dennoch: zu schreiben von dem, was man beobachtet, sich ergibt (sich ergeben im sprachverhau), was die sinne erfassen (eiererfassungsstelle, damals in r., erfassungsstelle salzgitter und wen oder was, wird es mir schwindlig, wenn mich eine idee, furcht oder das grausen -), gibt sprache sich verführerisch oder sind wir es, ab und an –

man altert im gehen, sagte sie, sie habe sich blind gesehen, den gewohnheiten nach, nichts außergewöhnliches in diesem jahrhundert, in dem immer unbarmherziger das licht, mit dessen überwuchs die angst vor der finsternis wachse, dem vergehen …