Archive für den Monat: Juni, 2019

schatten und traum, diese topoi scheinen so fern von dem, was uns „blüht“, einer anderen zeit gehörig, nicht der unsrigen, in der man allzu gut sieht, die augen kaum noch zu verschließen vermag – ja, wegschauen, schon den nächsten, nahe liegenden weg, die wegführung. Der schatten werden weniger, im gelände, was zieht: betonerner aufwuchs, noch das kleinste, geringste, das uns blüht, offenen auges überschaubar, zu nahe dran, nein, eher der zoom, der neue alte wegseher, ich zoom‘ dir was, liebe, schlage mich durchs holz der restwälder, im augenwinkel der kiefern harm, in der hitze, so leicht entflammbar wie leidenschaftslos. Schatten und traum gehen ineinander, mit einwärts gekehrten knien, so wie ich früher, als das gelernt sein was verhieß, die angst in jedem ihrer schritte war, doch wer sehnte sich je zurück, in der ungewißheit zwischenraum –

machts glücklich, im wolfswald, in den ruderalen sätzen von enthauptung, der sägeketten abschwung, es ist ein alter ton im nadellaub, das rostfarben am boden, machts glücklich, durch diese reste zu treiben, übern sandweg, die nerven der auswaschungen, machts allenthalben, einen weg, den ich nie gesucht,  der mich verfunden, ersetzt in ein anderes geschlecht von andeutungen, ruderal der reste schonung und das bedauern im verbliebenen –

die weißen lippen der strasse nach b., auf der ich am morgen unterwegs, und kam nicht ins schlingern, ab vom weg, kippte nicht in der felder rain, verfing mich nicht im farn; noch immer blühte der mohn, hangelte sich von vers zu vers, bis b., wo es ausgelöscht, sein rot, von zuviel licht –

als analphabetin geriet sie in der pflanzen welt, bei schafgarbe, bärenklau, riesenkerbel lautete ihr gedächtnis aus, vielleicht, dass sie sich unter den dolden auf der wiese als geduldete empfand, und vielmehr mochte sie den wildwuchs von spekulationen – musste man sie alle kennen oder genügte es nicht, drei vier namen zu nennen? Nein, über antennen verfügte sie nicht, aus den wiesen wurden bald brachen, aus den brachen gebrochenes, späterhin, um und um, in der erinnerung zerlegt, noch mancher feldrain kündete davon, und nun wollte sie doch buchstabieren, zum ende hin, eine geschichte erzählen, von wo –

setzte es über den fluß, wollte außer sich geraten, sich nicht kennen – dieser fluß, der nichts weiter als ein bach, der an manchen stellen zu überspringen war, und sah man dabei auf dem grund der algen fuß, hieß es, sich der strömung zu ergeben; jenseits, oberhalb der böschung, herrschte ein anderer ton, der schritt dorthin entschieden und dann doch zögerlich, die gesetze dieses grases, in dem wilde stiefmütterchen wucherten, ungeschrieben, ungeschrieben, wie das jenseits ungelernt, das jenseitige, das mit einem nichts zu tun hatte, jenseits bedeutete, eine uniform zu tragen, einlieger, persona non grata zu sein –

 

* Gedichtzeile von Peter Handke

hab sie wiedergesehen, jene frau, die -, auf dem weg zum friedhof, zeitig am morgen, so als zöge sie sich zurück, nach nächtlichem gang, der blick auf ihren rücken, angetan mit der hellbeigen jacke, die etwas von der bläue des himmels reflektierte; dort wird dir nicht lang, dachte ich, vorbei an der gießkannen reihe, die nahe des portals, ziehst du dir eine, schließt dich kurz, mit der toten langem haar –

dunkel, ortlos, hergezogen*, der sägen sirenen, pflegersang, geht ins blut, das der bäume, falten ihre blätter bang, wenn der schatten kommt, an einem morgen, der nichts besonderes, und unvermittelt der sägezahn, zweibeinerfisch, schlängelt sich hinan im luftgewässer, schneidet kappt, zweig für unverdunst, das ziegengemüs noch dran, gut und unverdorben, dennoch: hops, der fall vorm nächsten aufzweig –

 

  • franz josef czernin

wie viele tode sterben muss einer fürs leben, gelernt bist: du, trimmst den rasen fett und verlässt dich auf sie, die zuversicht, die, wo sie bleibt, nur, was eine legende, denn –

machs bäuerlein, komm komm, die sonne sticht ins feld, lässt vergehen, was zu begehren war –

source, sagen sie, du taugst nicht zur ressource, im reservoir, bist ausgespäht, wirst dann ausgespien, findest dich wieder am rande der waldung, als kühlaggregat, die zeiten werden hitziger, wer braucht da schon so was –