Archive für den Monat: Juli, 2019

überstirbst* dich im anthropozän, warst eigentlich schon fort, vereint mit den kosmischen subjekten, hattest dich überworfen mit all dem überkommenen. Übervorteilt: das waren andere, all die dinge dinge, die das leben überhäuft, übermäßig, übergriffig, fandest die frage nach dem überleben obsolet, all die dinge dinge, die zu besitzen dich gedungen, der weltverstand, die eigentumsmarter, untertansfregatte, einem wie dir nicht geschenkt, die sachstandsrate sinkt –

 

* Rainer René Mueller

von baabe nach bebe, hinter den dünen entlang, durch den sand, oder auf der strasse, wie sich das kindgedächtnis zu erinnern vermag, bei erhöhtem sonnenstand, dem mittag nach, dessen stickereien im flankierendem gesträuch, schau nach oben, spuck‘ in den sand, heb‘ die füße, das ist unser land, drauf gespuckt, das spottet den weg, dessen ende nicht abzusehen, zwischen baabe und bebe, das meer stumm, kein auto in sicht, nur das brennen in dir, das seinen ausgang von den fußsohlen genommen, entflammt fackelst du nicht lang, stellst die sechs deiner jahre auf den kopf, sei’s drum –

ich laufe übers parkett wie über sich wölbende wasser, eine einzige woge scheint mir dieser plane grund, und ich spüre dessen wölbung unter der fußsohle, dabei habe ich den öldruck eines gemäldes aus meiner kindheit vor augen, der in einem mit blattgold belegten rahmen oberhalb des sofas hing und fischer in einem boot auf bewegter see zeigt, in der dämmerung, die abendlich, auf dieser woge aus schweren dunklem stoff bewege ich mich –

schnitt mich aus dem spiegel, allzu heutig, nur ein gesicht, das haften blieb, ähnlich dem meiner mutter, teigig, und diese wangenknochen östlich, aus den wäldern, in denen das unterholz knistert, gewärtig der pilzgänger, deren schatten darüber hinwegziehen, und unter schichtungsschichten dämmert zukunft, die ans licht geholt alsbald versengt, lebt niemand mehr dort, in der verwandtschaft ausgekohltem revier –

türen schlagende falter auf dem hof, sie fahren in wagen davon, verwenden keinen lidschlag aufs anderswo, bleiben sich gleich in jeder ihrer bewegungen, in welche richtung auch immer, ins licht, ins licht, nicht: mehr, als könnten sie sich noch gehören –

da, unterm rand der brillengläser, dunkelt die haut, als lägen sie auf und machten druck, von den rändern her, und als käme das alles vom wegsehen; mir graute anderes, in nächten ohne traum, nur einen mund voll metaphern, die ich mir gern vom leibe gehalten, das verschwommene. Was ist, die realität macht tablettenkur gegen das entzündliche, versucht herden zu begegnen, in kampfanmutung: zurückgedrängt, eingedämmt, nicht wahr? Siege bescheren immer eine leere, wie das rechthaben, du schaust auf das zerzauste mal einer distel am wege, im gegenlicht, und fragst nicht, was du erwartet, später –

es dunkelt in den morgen hinein, während die vögel -, was kommt, was zählt, der grundton a von der autobahn, in der still vollzogenen richtungsentscheidung von strömungen, dazu das unübersetzbare, oder hat schon wer entschlüsselt, was die krähe da krächzt – setzen wir über oder bleiben entsetzt, in diesem gebiet, das wir unser nennen, heimat oder zuhause, okkulter ton –

schatten, geschleift, in den gärten, gehst in die verwertung, unlichtgestalt, die zertrümmerungsmaschinerie spricht, dieser hohe rhythmische ton, der jegliches gestein in dir zersingt, das wolltest du nicht wahrhaben, betraf dich nicht, immer andere, hinter türen –