Archive für den Monat: Mai, 2021

zu viel kaffee im verräterblut, abholzung innerlich, alles macht auf landflucht, die bühnen liegen hinter uns, du warst kein vorziehpüppchen/ rufst du, schallt es aus dem pixeluniversum: never landing never landing, no return, folgst den unterirdischen gräsern, die durch risse im asphalt atmen –

er träumte, nur noch ein bein zu haben oder vielmehr, dass er eines jener geborenen einbein-wesen vorstelle, von denen er einmal gelesen, sah es lang ausgestreckt, auf dem bett, blickte an ihm hinab zum fußende, es schien von dunklerer haut, vielleicht auch behaart –

dass ich wieder und wieder zaudere, zu beginnen/ draußen schwebt der flaum von linden und pappeln vorbei, deren kronen über nacht flügge geworden, in nächten, deren schlaf, deren träume ich verpasst/ ging nur umher, sah, geblendet vom bildschirmlicht, ins schwarze und erinnerte mich an die schwarzen teiche im braunkohlenrevier, am rande der ortschaft, an deren bahnstation ich gelegentlich den zug verlassen, eine vor der eigenen, und kilometer zu fuß nach hause lief  –

ausgekohlte gruben, verkohlte existenzen, nicht des tabaks rauch, das grau der asche, ein leben vor auf und hinter der kippe, dem neugebirge, zerklüftet, das samen rätselhaften ursprungs barg, da ging was auf, dazu die klänge der eimerkettenbagger, bänder, der e-loks aus dem grund, als ob dort vögel nisteten, scharen davon, zugvögel, die man nie zu gesicht bekommen würde, oder nur selten, wie die erden, jahrmillionen alt, braune krume, herausgebrochen, domestiziert zu briketts, vor den häusern abgeladen, du hattest grus auf den wangen, jedweder dunst über der stadt trug ihn ein, das herz hing an der schaufel, das kratzen im rachen wurdest du nie wieder los –

kohorten ziehen durchs gelände, baumschatten gleich nebeln, hinterm elterlichen block, wo das niemandsland sich streckt, das nur sich selbst gehört, in augenblicken, bis wer vom amt die bestände von neuem durchforstet, die akten öffnet, für den investor, der ein geweih trägt – er lässt die enden blitzen und hebt mit einem wir an, das konsortium trägt den namen einer exotischen pflanze, die visualisierungen wirken wie geleckt, verschmutzbar, was zu beschmerzen, das idyll im daseinsbunker lockt –

restlöcher* hörte ich sagen, mir stinken diese restlöcher, die man sämtlich voll wasser laufen ließ, die simpelste lösung für eine bergbaufolgelandschaft – ein begriff, mit dem man selbst beim scrabble nur mäßig punkte machen kann, obwohl er so lang, so wie die geschichte der tagebaue, der felder und endreime darauf, der serpentinen und abbruchkanten, der grubenloks und verzogener gleise, des schlammes und rußes, baumlosen unglücks, sicht bis nach st. nimmerlein, wo im devastierten ort noch die kirche, straßenlaternen und nächtliches gefunkel, fern, abraumhalden und pioniere mit birkenhaupt, vorrückende formation bis zum nächsten bruch –

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*Titel eines Romans von Lena Müller, erschienen 2021 bei Edition Nautilus, Hamburg

gültig spricht uns nicht die zeit, du kannst warten, sagt sie, du sprichst nicht für mich, stehst dich nicht gut, mehr auf verlorenem posten, dort, wohin die wasser verschwinden, die zuviel gefallen, bleibst nicht länger hängen am wort, das wort ist kein sieb, eher eine schleuse

stellst dir vor, auf einem feuerwachturm zu leben, über den wäldern im norden, leicht entzündlicher traum, dein kopf eine einzige lichtung, du wirst vom knistern des lichtes wach, schaust in den dunst, weißt nicht, ob es nebel oder rauch, schwebst in der kapsel darin und verglühst, noch ehe du eine meldung absetzen kannst –