Archive für den Monat: Juni, 2021

hinter der gardine das aussenvor, gleich einer ansichtskarte, die aussicht änderte sich nicht im lauf der jahre – wenn die gardine gelb wurde, fiel draußen das laub, und auch sie selbst, die uns nichts mehr weiß zu machen vermochte, für kurze zeit, ein paar drehungen des globus, feucht hing mutter sie wieder auf, zog sie zurecht, bis das weltbild stimmte –

[inspiriert von Dinçer Güçyeter: „die gardine“ aus dem Band „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“, Elif Verlag 2021, S. 44]

eines nachts werden wir sterben, noch ehe das laub sich verfärbt, und es vielleicht nicht einmal spüren, darüber sprechen, als ob wir am leben, und gebrauchten dies wort allein in der vergangenheitsform, so wie wir von anfang an nur zurück zu denken vermochten: du hast, bist gewesen, warst, begegnet nie, doch still wie ein stein, nahmst die blesse licht auf dem boden in dich auf, schwiegst davon in dieser ortschaft namens kamen, es fielen nur schatten darauf herein –

in zusammenhang mit den anmerkungen zum böhme-band beschäftigte mich die frage, was dahintersteckt und was transportiert wird, sich spricht, wenn ein autor, eine autorin so viele naturdinge im gedicht trägt, sich auf beobachtungen in der natur (oder was wir so nennen) bezieht? Ist es uns eingeschrieben als programm, von früheren verhältnissen her, bis in die romantik hinein, ins industrielle zeitalter, oder ist es heute, in der xsten postmoderne, eher der verlust, nicht nur von natur, sondern auch einem intensiveren verhältnis zu/ mit ihr, sensibilität dafür? Eingeschlossen darin die natur des menschen? In der art, wie wir wirtschaften, leben, im großen wie im kleinen, strukturell. Das fände ich zumindest weise, denn garten, dieser ersatzort, ist nicht natur, nicht die art von garten, wie er hierzulande zumeist be- und hergestellt wird, garten ist dominant als accessoire, man lässt nicht viel zu, denunziert vieles als unkraut, unkraut des jahres, wahlfach alchemie, was blüht uns da im sensenhort, was lassen wir über, was sein und sprechen von naturliebe dabei, auch ich falle gern auf worte hinein –

errichtest einen tagebau, suchst schutz darin, stäube hegen dich ein, du erzählst die verse vom haben und vom sein, dir bleibt nichts als der alltägliche abrieb, denkst an fluchten aus dem bau, versuchst es nachts im traum, mit jener lok, die du schon kennst, deren fahrt auf dem blindgleis endet –

wenn er am sommerzenit im gelände, auf der asphaltbahn, die unter der hitze blüten trieb, längst der schatten bar, die dereinst alleen gegründet, allein der blick in die weite, zu den schloten am horizont, da war kein fluß, kein meer, nur festland, mit straßen und schatten ohne bestand, mit reihungen von masten, die hier den takt bildeten, er bewegte sich von takt- zu taktstrich, welche strecke, ein maß, voranzukommen, das festland, das so wenig halt bieten mochte, zu verlassen –

die imaginationsmaschine bildet die summe aus allem, verwandt der maschinerie des traums – jene zwei alten am morgen, die die strasse hinauf, mit spazierstöcken, nach vorn geneigtem körper, geneigt gleich einem der laternenschäfte neuerdings, nahe der kreuzung, als ob er verharrte in der absicht, sich dem asphalt in anderer weise hinzugeben; all die träume von hinfälligkeiten im alter, seit kurzem, in der verwandtschaft kenne ich keine person, die je am stock oder so –

wünschten uns dorthin, wo ginster durchs gelände streift, in reihen, deren gelbe brustwehr du vor augen hast, dazwischen das taumeln von gräsern, sie gäben was fürs fortbestehen, wenn der ginsterbüsche wehr fällt und bräunlich wird, an den rändern/ fluren dieser art tragen keine namen, nur nummern, ziffernfolgen, die zu vertauschen man im begriff, hier kommt selten einer daher und markiert den starken, zeugen hätte er keine –