Archive für den Monat: November, 2021

diese busfahrt mit mutter nach w., nächtliche fahrt mit lichtern, trügt mich die erinnerung oder hat sie im kurhaus übernachtet und mich tags darauf in einem bett hinterlassen, an dessen fußende die abbildung eines tiers befestigt, und das kind nun antilope, hase oder fuchs vorstellte, die tröstlichere variante. Trügt die erinnerung nicht, lag das kurhaus am rande einer siedlung im vogtländischen, und es bedurfte nur weniger schritte, in die innung des forstes einzutauchen, in der die kiefern mit kerbschnitten versehen, der harzgewinnung wegen. Zählte das kind die kerben, die ihm selbst beigebracht dünkten, und wer sprach von heilung, abends unter der höhensonne. War es herbst, der wald wirkte so, doch kein laub, nur das wispern der kiefern, unübersetzbar, nachts noch im schlafsaal, aber nicht im traum, es schien keine träume zu geben, an diesem ort –

ich setze mich wieder in gang, es ist der gang im dritten stock, reihe c, hochschulschriftenstelle, erreichbar durch die glastür oder über den lift, vier jahre dieser weg, zu jeder tageszeit, im hellen wie dunklen, manchmal brannte nur das notlicht, weil ich die erste oder letzte, und so ich die letzte, nahm ich das öffentliche treppenhaus, nicht eine der nebenstiegen, und passierte die etagen mit den lesesälen, gab den schlüssel beim pförtner ab. Ich schäle sie ab, schichten von grind auf der haut, um in die gänge zu kommen. Nicht nur die eigenen zählen, ich würde fehlgehen, erinnerte ich mich allein dieser –

die kiefern vorm kupferhimmel als scherenschnitt, feines handwerk von früher, vor der fotographie, aber auch später, struktur profil schattenriß, mich faszinierte das schon immer, obgleich jener, der in unserem kinderzimmer hing, eine hütejungenszene, eher wenig geheimnisvoll, sogar etwas trist, wie oft mein blick auch darauf gefallen, ohne absicht, er sich verdeddert in der nachbildung des gestrüpps, durch das der junge samt schwein zu schweben schien, eine chimäre, im weiß des hintergrunds der widerschein vom taglicht, reflektion der reflektion von der gegenüberliegenden wand, der schnitt hing fensterseitig, auf meiner seite, der frost-, der reifbreite, des winters funkelnder fläche, inmitten des flors der rolltapete, vielleicht, dass sich jede papierene allzu rasch gelöst, so wie ich den morgendlichen blick vom hüter, der nicht von der stelle gekommen, hier lief kein film, man traf sich stets zur selben stunde, mittags wie in der frühe, das hatte etwas von trotz, in der stablosen zelle –

wolltest nicht mehr im kreis gehen, nach anstalten, nie mehr, im kreise der familie das unausgesprochene ausbaden, in binnenseen, abtauchen und wieder auftauchen, mit nichts im maul als seetang, der sich in girlanden um die hüfte legt, den hals, ohne leuchtkraft, aber schnürend/ gehst alsdann doch im kreis, treibst die pumpe im brunnen an, aus dem nur die asche, kein stimmiges bild, keine metapher, nur asche –

stimmen hören, wenn das sonnenlicht durchs geäst der kiefern bricht, flecken hinterlassend, du weißt nicht, was du antworten sollst, noch verstehst du die sprache, nur ein gemurmel, gewirr aus vokalen, als lauschtest du dem baby, das du einst warst, als bewegte sich in dir plötzlich dessen redefluss, ein gurgeln und rauschen aus dem innern, genauer vernimmst du den ton nicht, schicht um schicht, die aufnahmen sind verblasst, nur mehr fragmente dessen, was du einst gewesen und nicht kennengelernt, nie –

das meer ist dort, wo immer du suchst, im überschreiten alter küstenverläufe, hier in der niemandslandbucht, steigst über kalk, der irgendeinmal muschelmund, das meer verlandet in dir, sucht sich andernorts, lässt dich zurück als die ohne, die mit der sehnsucht, deren segel gerefft, die auf der sandbank, ohne guthaben anderswo, entwässert, leer, oder mit wasser in den beinen, die füße tragen dich nicht länger, der nase nach, heben nicht ab auf den geruch von tang –