Archive für den Monat: März, 2022

das ganze leben schien eine schonung, verschont wurden wir nicht, glaubten nur anfangs an die glimpflichkeit von ereignissen wie geschichte, insofern sie uns betrafen, im schatten der kriege, der kalten hier und heißen anderswo, immer verschont von dem, mit dem nicht zu rechnen war, schonungslos auf der lichtung, umhegt und offengelegt, setzten wir ein wohlwollen voraus –

das scheußliche kind, es wollte nicht älter werden, jahrelang stand es unmittelbar vor der einschulung, wurde abgeblasen, fand sich im sandkasten wieder, fiel von der schaukel, brach sich das schlüsselbein, den schlüsselbund in der hosentasche, ambulanz, operation, davor das sinken in den äther/ diese träume in ihrer scheußlichkeit behielt es, klappte dann doch mit der schule, stimmbruch in der sechsten, die elstern krächzten nun freundlicher im chor, die stimmgabel gab den kammerton verloren, es lockte ein heiterer bariton, der bärtige von nebenan/ das scheußliche kind stellte sich an, gewann drei kumpel und ’ne lehre, was dort nicht passte, leerten sie an abenden aus, oder spien es morgens aus der bahn, krächz, machten sich nichts draus, zahltag war immer –

ziehst deinen wolkenkamm durchs haar, auf den scheitel verzichtest du, verweist auf später, wenn ordnungen wieder die oberhand gewinnen/ mit der rückhand rücktest du die welt zurecht, zumindest den stuhl, der am kippen oder eines der beine verloren, einfach eingeknickt, die welt verlor das gleichgewicht, du sträubtest dich dagegen, was für ein tier –

der tag will enden, die gleitsichtbrille beschlägt, über dir noch etwas himmel, kündend von zeiten, bevor -/ gleitest aus mit der beschlagenen brille, auf den stufen der vortreppe, weißt nicht mehr, wo, denkst nur noch: wann, findest auf dem letzten absatz halt, richtest dich auf, ohne geländer, sagst: so –

lausche ich den eigenen worten nach, zu oft, finde ich mich im bett wieder, tags, ohne schlaf, während im äther der sendungen die neuen zahlen fallen, wolkenbänder darüber hinweg ziehen/ man könnte vergessen, was ist, und niemandem mehr begegnen/ nachts wach, der stimmen der lampen wegen, die ohne bestimmung, die nur so scheinen, als ob, die keinen hervorlocken, außer jener, die ohne erwartung, deren silhouette jäh hinterm fenster –