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mir ist bang vor diesem wetter, das schon wochenlang, vor den erscheinungen der sorge im vokabular der nach-, der vorfahren, jener, die uns voraus, die wir nicht mehr erleben werden, von denen wir zu wissen glauben – es ist so eine sache mit dem glauben, der schnee schmilzt, die gletscher gehen dahin, mit ihnen die kunde davon, wie es war, dereinst –

*Titel: Rainer R. Mueller

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in den spiegel kippen, im schlafzimmer, in viele teile zersplittern, in diesem flügelaltar mutters, vor dem die flakons aufgereiht, mit den gerüchen von nächten, die mich nicht geboren, die sich vollzogen hatten, so nannte man das, hier neben der vollzugsanstalt, ich hatte es gewusst, jedes wort wie ein verrat  –

 

„die Spiegelkippe“ (Rainer R. Mueller in „Hagelbergerstraße“, roughbooks 34, S. 44)

dreissig jahre bis zur firmung, da hatte er alle obligationen schon abgestoßen, lebte in einer bude mit wasser von oben und ritzte kryptische zeichen in die zellwand, während jenseits des rings die feiertage kein ende nahmen – so entstehen gedichte und keiner erinnert sich später dran, aus eis und wasser in der seele, das aus augäpfeln drang, aber später als nie fand das ein ende, in der beiköche schutzzone, betriebsrestaurant, wo sind ihre papiere, nach feierabend, weit danach, im schlingerkurs heimwärts übern platz, mann –

ich mag die kühle, nicht kälte, heute drücken sich auf dem fußweg alle in den schatten des buschwerks, das über den zaun kragt, machen sich unsichtbar, laufen in diesem blaugrauen dunkel, als handele es sich um den schurz der nacht –

 

* Titel: Rainer René Mueller

du musst im kleinen kreis gehen
allein
darfst dich nicht umdrehen
das reicht

licht ist das wesen von allem/ es fällt in den hof, wenn es kann/ erzeugt dort einen klang, von kübeln und kannen/ in der frühe vor fünf, wenn des zagen körper im schlaf sich nochmal wendet/ der wand zu, wo es keine zeit kennt, nur glanz –

ich verberge mich in den versen, sagte sie, den ungeschriebenen, in deren laute laub, gleich einem tier, dem nachgestellt wird, oder das was zu befürchten hat, in der wahrheiten lauer, so dass es sich eingräbt, wo kein strandgut zu erwarten, kein tang, in sich verschlungen, dessen schaum aufglänzt wie nichts

spät, wir lagen noch wach, die stimmen einer sich auflösenden gesellschaft von der strasse her, vernehmlich all die adieu, addio, ciao, machs gut, besser so …, so wie man sich in unausgesprochener gewißheit eines kommenden tages versichert, eines nächsten in der kette, der man folgt, wiewohl entscheidungen fallen – woher diese wendung: eine entscheidung wurde gefällt, die entpersönlichte rede zumal, unterm fallbeil des gesetzes …

nachts bangen die sterne im licht der laternen – allnächtlich diese phantasien vom kosmischen feuer, dem wir verwandt, im status der endlichkeit; wir pflegen den milliardenblick, lagern in tresoren, was vergeht, nicht von dauer, nicken ein unter der lampen zitternden schein, immer diesen geschmack im munde, von weiß nicht was

es nachtet sich ein, das gefühl der versprengung, hinterlässt traumlose räume, digital housewives bereiten den weg dahin, zelebrieren das partikelsterben im feinstaubuniversum, da geht alles auf, was vom lehrsatz über den erhalt der masse über geblieben. Diktiert ins kosmische logbuch betreiben wir selbstaufgabe, geben uns redlich, nennen das schweigen über undinge diskret, meiden die tundren, das polarmeer, blasen es einfach weg –