nach mitternacht aufgewacht, von der selbstrede regens (vorsicht, naturgedicht), seinem dialog mit rinnen und pfannen, zwischen all den zeugnissen gemauerter, betonierter zuversicht – der planet schlägt zurück lautete eine der schlagzeilen in der presse zu den folgen letzter wirbelstürme, apokalypse hat nichts mit eukalyptus zu tun, oder doch –

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jener bursche in der bahn, etwa sieben jahre alt, dicke brillengläser, den ich im schwarz hinterlegten spiegel des fensterglases erblickte – ich musste immer wieder hinschauen, zu diesem jungen, der etwas unbeholfen in seinen bewegungen wirkte, dazu auch überdreht – die  lange fahrt nach k. hoch redete er auf seine mutter ein, insistierte auf etwas, das sie nach ihrer ankunft zu hause unbedingt tun wollten, ja sollten, es hörte sich so an, als machte er einen vorschlag, verpackt in einen fragesatz, dessen gegenstand kaum variierte und den er nach kurzen pausen wiederholte – es steckte soviel an erwartung darin, dass ich davon ganz eingenommen war, während die mutter nicht darauf einzugehen schien – es war, als hinge seine existenz davon ab, dieses mögliche, vor ihnen liegende immer von neuem zur sprache zu bringen, es zu fixieren, und es erweckte den eindruck, als gedachte er seine mutter so zu trösten, doch die zeigte sich zunehmend peinlich berührt, versuchte ihn zum schweigen zu bringen, in dieser bahn, in der das größere schweigen schon einzug gehalten, und ich stierte in die schwärze des glases, in diese nicht zu leerende finsternis mit dem abbild des jungen, der schwarz geränderten brille, die mich an irgendjemand erinnerte; dann verließ ich den wagen und sah sie auf ihrem doppelsitz, der tür halb zugewandt, miteinander ringen …

wenn ich mich aus dem fenster lehnte, ging der blick zuerst dahin, wo der grund von schneebeeren weiß, diese strecke entlang des zauns …

es ist ein fremdes, verlorenes dieser tage, allein das fotografieren funktioniert noch und zeitigt bilder, die ich lang anschauen mag; auf dem display erscheinen sie wie gerahmt, hinter glas, berührbar und doch entrückt, entzogen, darin die widerspiegelungen dessen, was sich in ihm bricht, widerspricht …

schlafen wir noch oder sind wir schon tot, in diesem jahr 17, morgens nebensonnen, sommergrippe seit gestern, musste die runde kürzer fassen, links der mais, rechts die roggenödnis, man hat den grauen abgeerntet, diesen verwitterten abgesang, den boden verschmerzt, da wächst nichts anderes mehr, und hatten das mal zukunft genannt, industrien, batterien davon, glückselig- und sattmacher, als ob sie das utopia – heuer scheint es eher die abkunft von allem …

unter einer brücke hindurch, auf der anderen seite regnete es, hatten sich pfützen gebildet, auf dem asphalt, dies typische schwarzgraue geplänkel, ich spürte den regen nicht, sah nur die auf dem wasser aufkommenden tropfen und dachte: nützt nun ja alles nicht, lief weiter, erinnerte mich der eisenbahnbrücke in r., die ich gelegentlich unterquert, jenseits derer man unvermittelt in einer welt, die eine andere sprache hatte, eine sprache, deren geschmack man in den vorortzügen zu spüren bekam, zentralwerkstatt, werkhallen, baracken, wildwuchs von gräsern, einer lost-generation von gewächsen, die im stadium des vergilbens, immerzu, dieser grad von verwesung, so wie die sprache lediglich auf ein vorleben hindeutete, ein endliches, ohne fragesätze, stets die absenkung am ende, in diesen ansätzen, und dann die grindigen schalen der äpfel in den vorgärten, die sie zu unberührbaren machten, einer sorte von hartgesottenen, die ihr nachleben in einweckgläsern fristeten, ein testament für die nachgeborenen …

im erwachen die zeile eines gedichts, das sich geschrieben wissen wollte, das ich schon mit dem worte zeitigen spielend, halb bewußt, im begriff, die zeile zu fügen, doch im nächsten moment war das verloren, obgleich ich den eindruck hatte, die worte laut vor mich hin gesprochen zu haben, der begriff zeitigen hatte sich dabei auf eine weise mit der vorstellung, dem bild eines weges verwoben, weshalb geradewegs auch den abschluß der kleinen wortflotte bildete, wie ich mich zu erinnern glaubte …

der geruch dieser haftentlassenen zellen notierte ich und vermag mich nicht mehr zu erinnern, in welchem zusammenhang, oder ob es nur wieder eines jener versatzstücke, die aus dem unbewußten auftauchen, gleich treibgut … Eine dieser rindenblättchen-botschaften, die die kiefern mir unablässig senden, in die loggia … Ersuchte wer um haftverschonung, übernahm wer haftung für mich …

schnecken morgens, im gewerbegebiet nord, die sich vor dem verblinden retten, auf den weg, diesen formsteingefügten, wo die triebe schon zwischen den fugen, die ränder unkenntlich geworden, überwuchert von orden unkrauts, von gräsern aus zeiten, als jegliches gewächs noch einen namen hatte, jede geländewölbung, jedes geräusch, der hundert- und xste feldrain auch, eine legende –

wenn er denn seinen büroschlaf zu halten gedachte, der kater*, im obergeschoß, in dem die regionalia aufgereiht, wohin sich tags kaum jemand verirrte – es gelang ihm ab und an, durch die nur für augenblicke offene tür zu schlüpfen, so dass ich ins schwarze, das fell des universums zu sehen vermeinte, das auf diesem drehstuhl platz zu finden vermocht, mit blick auf die buchrücken, den stapel unverkäuflicher exemplare aus dem hornverlag in der ecke, blaßgelb, und gott sah durch mich hindurch, als wäre ich nur dunkle materie, eine materie, die er in einem hellichten moment ersonnen …

*in memoriam nero