der nachtfahr draußen, diesmal mit rötlichem fell, lässt die bewegungsmelder aufblitzen, immer wieder/ ich würde für dich die bäume zählen, sagt er, mich im geäst verzweigen und behaupten, dass es nichts zu erzählen gibt –

der frühherbst des jahres ’74 längte sich, nächte hinein trieb er blüten, den zeitgenossen in den lesesaal der ub, er schien wurzeln auszutreiben, an unzähligen abenden im fahlen sehlicht zwischen den regalen der freihandbibliothek, und hoffte eigene zu finden, die literatur über entfernte kontinente dünkte ihm für die suche nicht zu fern, das jahr gab schon zeitig seine abschiedspartys, löste sich auf in ziffern, dem augustseptember folgte der november, dessen dunkelheit mit einem schlag alles vorangegangene auslöschte –

das frühe leben, an die jahre 72/73 dachte der zeitgenosse dabei nicht, eher an die fotografien aus der kindheit, die wenigen aufnahmen, die es von ihm gab, bildchen mit gezackten rändern, als handele es sich um briefmarken, das schwarz ein verschossenes grau, das abgelichtete ich in stadien der unselbständigkeit, in kinderwagen oder laufgitter, an der hand des älteren bruders, die knie angewinkelt, so konnte man doch nicht stehen, während die person hinter der kamera ein lachen, zumindest ein lächeln abverlangte – immer war da ein verlierer, einer, der im ungünstigen licht oder aufzug, in einer haltung, ach – einer wirft den rasenmäher an, staubfahnen steigen auf vom totrasen –

die häuser im viertel gaben sich stets gleich, jene, an denen ich rasch vorbei, und jene, vor denen ich gern verweilte, einer eingangstür wegen, putte, toreinfahrt, oder den auslagen eines geschäfts/ inwendig gehen oder stehen, vor dem schallplattenladen am peterssteinweg etwa (peters steinweg übersetzte ich, also der weg von einem, der wohl nicht auf dem holzweg, dem hölzernen pflaster vorindustrieller zeit, das irgendwann brüchig, vielleicht auch faulig – was bedeutete es, auf den holzweg geraten zu sein, den weg allen holzes, wenn es nicht gerade von einer sehr beständigen sorte – das holz verarbeitet, zerkleinert, feuerholz, holzkohle, bohlen bretter möbel furnier, hinfälliger stoff, stoffliche, also vergängliche existenz, papier, jeder steinige pfad von längerer dauer, doch selbst die hölzerne auskleidung eines jungsteinzeitlichen brunnens vermochte man noch ans taglicht zu bringen/ also inwendig gehen, fassaden, bürgersteige, portale, stufen in sich hineinsehen, mozart, beethoven und bing crosby im schaufenster des plattenladens, klavierauszüge, ein schüchternes licht hinter der theke, glanz von innen, verstieg sich wer, darauf einzugehen –

der löwenzahn, den das gärtnernde volk nicht mag, mit ingrimm verfolgt, bleckt die zähne, nagt an den strasseneinfassungen, wandert den rinnstein entlang, lacht sich eins in den fugen, sagt dann: pusteblume das alles, das leben, und unbotmäßig schwebt er davon –

wenn sie skat spielten, um geringe beträge, im pendlerexpress, um groschen pfennige, war der zaungast stets dabei, hockte auf der schulter desjenigen, der gerade am ausspielen – ein zwei mark mochten so schon zusammenkommen, ausreichend für drei vier bier nach der schicht –

bin eine halde hinaufgekrochen, hinterm kraftwerk von m., eine, die mit gras überwachsen, unter deren kruste es schwelte, an stellen weiße asche hervortrat, zwischen den gräsern, in größeren lücken, wo die halde bar und an etwas anderes erinnern mochte, so wie die grauen rinnsale von den halden bei h., die sich allmählich in den forst hinein verästelten, den dort zuvor siedelnden pilzen jeglichen grund entzogen und die pilzjäger noch tiefer ins dickicht trieben, wo sie auch schon mal von soldaten überrascht wurden, oder von schüssen, sie sich vielleicht unter die kappe eines pilzes gewünscht, ganz gleich ob genieß- oder ungenießbar –

[diese sätze sind nicht wahrer als andere, was unterscheidet sie von der fiktion oder im traum gesprochenen, was bedeutet wachsein -]

wir liefen eine straße entlang und hörten unsere schuhe reden, versuchten das erlauschte zu notieren/ zu verrauscht das alles, lags am äther oder an unserem willen, uns schlugen nur silben aufs papier, unverbunden, zeichen einer neuen lautschrift, und wir erkannten sie nicht/ sie ließ uns zurück, mit leerem blick –

das ganze leben schien eine schonung, verschont wurden wir nicht, glaubten nur anfangs an die glimpflichkeit von ereignissen wie geschichte, insofern sie uns betrafen, im schatten der kriege, der kalten hier und heißen anderswo, immer verschont von dem, mit dem nicht zu rechnen war, schonungslos auf der lichtung, umhegt und offengelegt, setzten wir ein wohlwollen voraus –

das scheußliche kind, es wollte nicht älter werden, jahrelang stand es unmittelbar vor der einschulung, wurde abgeblasen, fand sich im sandkasten wieder, fiel von der schaukel, brach sich das schlüsselbein, den schlüsselbund in der hosentasche, ambulanz, operation, davor das sinken in den äther/ diese träume in ihrer scheußlichkeit behielt es, klappte dann doch mit der schule, stimmbruch in der sechsten, die elstern krächzten nun freundlicher im chor, die stimmgabel gab den kammerton verloren, es lockte ein heiterer bariton, der bärtige von nebenan/ das scheußliche kind stellte sich an, gewann drei kumpel und ’ne lehre, was dort nicht passte, leerten sie an abenden aus, oder spien es morgens aus der bahn, krächz, machten sich nichts draus, zahltag war immer –