steige berge hinauf und hinab, es müsste täler geben, die seh‘ ich nicht, scheinen verborgen in diesem gebirge, dem licht, auf der schlagschattenseite, hindurch gelangst du nicht, kehlungen eher, sich anschließender höhenzüge – sehen so traumlandschaften aus, oder die eines wachfallens aus dem schlaf, wenn du mit kopfschmerz im dunkeln die küche aufsuchst, schubladen bewegst, um die bewegung in dir auszulöschen –

er bohrt mich der länge nach auf, dieser klang, starrt auf der frucht faltigen hals, es hätte gestern sein können, wo der sonntagslärm stille, an nachmittagen, wenn die glieder schwer, vom vergehen, dem zergehen eines rests mittag auf der zunge, nachspeise, vorspeise, hauptgericht, das zuallerletzt, die einbildung, das nichts mehr kommt, so die küchengerüche verflogen, nimmst witterung auf, ganz wild, hegst der wilden möhre vertrauen auf ein morgen, sobald du ihre dolden schaust, zu dir hinbiegst, als handelte es sich um dein leben, das du gern mit dem lehen verwechselt, früher –

»vorherrschend die simplizität von ereignissen« sagte sie, »du kommst aus der unübersichtlichkeit, und ich stehe einfach hier an der straße und erwarte dich«

man könnte was erzählen, wenn die sonne oktoberungewohnt so im nacken brennt, das erzeugt druck, den selbst eine luftbewegung kaum zu zähmen weiß, das ungezähmte gewinnt sowieso, denkst du, im fortgehen, voranschreiten, man beugt sich noch etwas tiefer, die schatten lungern unterm tisch, in der takelage des sonnenschirms knirscht es –

einer trieb am kiosk vorbei, an der kreuzung, der früher das örtchen gewesen, ach diese dichotomie der geschlechter, deren anatomie ihm schon zeitig vertraut, machte einmal stop, linke tür, der dunkle glanz in der rinne, verrannt die geister, in die quere gekommen, am fuße der teergetränkten mauer, das trübe ausfischend, von ungedachtem schwer –

nachts schlief ich wie ein stein, wandelte als schatten einher, morgens, machte mich lang, über die strasse, reichte bis zu den kirschen, blutend unterm zaun, dachte an ikarus, der sonne zugewandt, an ikarus, der sich hat blenden lassen, nicht abstürzte, nein –

manche schwenken ihre einkaufsbeutel, gleich foucaultschen pendeln, auf dem wege zum markt, was da ausschlägt, scheint nichts als harm, die leute von der real-treu (keine versicherungen, keine haustürgeschäfte) packen ihr grünflächen-equipment in den transporter, genug gestutzt heute, übern tag, was da noch keck empor, des rasens räude –

der mohn ist aus, was uns noch bleibt, sind immortellen, die eine oder andere faule stelle im universum; am morgen sahst du in gärten erste kirschen verbluten, der nachbar kehrte auf der strasse die scherben der stimmen von letzter nacht zusammen –

20200608_090410 (2)dreimal des nachts dem mond ins blasse angesicht gesehen, face to face, zwischen den kronen der kiefern hindurch, das licht fahl (ich denke dabei oft an pfahl, dem licht eignet so was, es ist ein leichtes, von ihm gepfählt zu werden, versteinert, in eine ecke, an die wand gedrückt, du oder der schatten, dem du anhaftest, deinem schatten, der sich fraglos irgendwo hin-, den geplätteten gibt, platte attitüde, des schattens biographie ist lang, und du kennst sie nicht inwendig, weißt nicht, was er hinter deinem rücken treibt, du bist es leid, ihn vor dich herzutragen als flagge deiner selbst, magst dich nicht mehr abwenden von dem, was im kommen geht, oder anders herum, und seinem pulsieren unterm kunstlicht der laternen an der straße, züngelndes grauschwarzes flämmchen –

das war mal, ungedulds reisender wiederkehr: erst apolda? Wie lange noch, nicht: wie weit, einzuheimen in die tieflandsbucht (deren wolkenbänke du aus der ferne dir zuweilen als gebirge eingebildet, während raunend die berge im rücken), wo die bucht eine bande gören, die in die stadtsprachen einfielen und sich am wasser der pumpbrunnen labten, an diesem gewässer für notfälle, vorm thüringer hof, erinnert sich wer, in dem die zirkel abgesperrter reviere legendär, hier waren wir wer, bedient schon, doch ohne gabe, die schritte der kellner ferngelenkt, zu spät aus der richtung, zu spät jene station namens apolda passiert, kurz vor der sperrstunde, schon oder erst, was hättest du finden können, wärest du ausgestiegen, selbstvergessen, dich verlassend auf sich selbst –

 

* angeregt von Richard Pietraß‘ Gedicht „Apolda! Apolda!“ (aus dem Band Spielball, 1987)