die tokiostraße in h. – wenn ich an den einfamilienhäusern in ihrem hinteren teil entlang fuhr, auf einer straße, die nicht breit, kaum befahren, noch weniger begangen war, schien mir, als gehörte der weg zum unbegehbaren an sich, oder führte mitnichten in die welt, sondern verkörperte ein stück kosmischer koma*, der man nicht entkommt: weder durch begängnis noch verrat. Ich passierte die zeile mit blick auf die stillgelegten vorgärten und dem gedanken: hier kannst du werden, im unbegangenen –

 

*gas- und staubwolke von kometen

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die zeiten, da wir noch ein auskommen hatten, ohne neue hüft- oder kniegelenke – heutzutage sterben die alten verjüngt und machen dir was vor, mahnen: dass du man zum kurator gehst, rechtzeitig, sie üben den gang wochen-, jahrelang, und nicht gebeugt, wie die alte h., die gleich einer bogenlampe im revier, ihren augenschein über asphalt und zement ergießend, das ersprießliche dazwischen, das auch überleben will; geh zum kurator, willige ein in die überführung, dann wirst schon sehen –

wolfsland, machs scheen, scheener als mich, lass die tür offen, hier gibt es leben zu besichtigen, lehmhaltiges, kaum entwordenes, grasnarben mit brand an den rändern, und wenn ich mich im spiegel sehe, weiß ich, ich bin das nicht –

für dies‘ kind sollte es keinen text geben, es war nicht vorgesehen im libretto, und ganz gleich, was man nun sagte, es erschien wie angedichtet, legendenhaft und kam von ungefähr – es war nicht vorgesehen und doch vorhanden, mit peinlichkeit verfolgte man den prozess der zuschreibungen, was ein ganz eigener text, einer ohne fassung –

nach vier und schon wach, sonnenlicht tropft vom bahnsteigdach, in dessen schatten die vier, im juni ’64, die der fernzug gebracht, von der küste der tagebaue her, auf koffern, warten in der kälte auf den anschluß, der sie hinüberschaffen wird, übern damm – wir sind nun, werden sie sagen, sobald sie auf der insel, und kenterte das licht, erwischte sie der schneeschlag in schlafes bruderschaft, könnten sie dennoch sich versichern: wir sind übern damm und legen nun ab –

mit dem mars sei es auch nicht mehr weither, sagte im traum wer, und wenn man es recht bedenke, müsste er ein stück nach außen rücken in unserem sonnensystem, was jedoch eine ausbeulung zur folge hätte – kaum dass er den satz beendet, hatte ich das ganze als modell in kugelgestalt vor augen, überzogen von einem gitternetz aus koordinaten, die von der versetzung des planeten verursachte beule war gut zu erkennen –

überstirbst* dich im anthropozän, warst eigentlich schon fort, vereint mit den kosmischen subjekten, hattest dich überworfen mit all dem überkommenen. Übervorteilt: das waren andere, all die dinge dinge, die das leben überhäuft, übermäßig, übergriffig, fandest die frage nach dem überleben obsolet, all die dinge dinge, die zu besitzen dich gedungen, der weltverstand, die eigentumsmarter, untertansfregatte, einem wie dir nicht geschenkt, die sachstandsrate sinkt –

 

* Rainer René Mueller

von baabe nach bebe, hinter den dünen entlang, durch den sand, oder auf der strasse, wie sich das kindgedächtnis zu erinnern vermag, bei erhöhtem sonnenstand, dem mittag nach, dessen stickereien im flankierendem gesträuch, schau nach oben, spuck‘ in den sand, heb‘ die füße, das ist unser land, drauf gespuckt, das spottet den weg, dessen ende nicht abzusehen, zwischen baabe und bebe, das meer stumm, kein auto in sicht, nur das brennen in dir, das seinen ausgang von den fußsohlen genommen, entflammt fackelst du nicht lang, stellst die sechs deiner jahre auf den kopf, sei’s drum –

ich laufe übers parkett wie über sich wölbende wasser, eine einzige woge scheint mir dieser plane grund, und ich spüre dessen wölbung unter der fußsohle, dabei habe ich den öldruck eines gemäldes aus meiner kindheit vor augen, der in einem mit blattgold belegten rahmen oberhalb des sofas hing und fischer in einem boot auf bewegter see zeigt, in der dämmerung, die abendlich, auf dieser woge aus schweren dunklem stoff bewege ich mich –

schnitt mich aus dem spiegel, allzu heutig, nur ein gesicht, das haften blieb, ähnlich dem meiner mutter, teigig, und diese wangenknochen östlich, aus den wäldern, in denen das unterholz knistert, gewärtig der pilzgänger, deren schatten darüber hinwegziehen, und unter schichtungsschichten dämmert zukunft, die ans licht geholt alsbald versengt, lebt niemand mehr dort, in der verwandtschaft ausgekohltem revier –