sei sichel, sagte sie, die meine mutter war, sei die mit dem kurzen stiel, und geh dahin, wo ich nie gewesen; mit worten zu leben heißt, gegenorte zu bilden –

in sachsen ist still heute, blute und bete, erschöpfe dein herz, wasch dich mit seife, schreit die klangmauer ab, das brausen zwischen ortrand und ruhland, den tag lang, selbst der regen hält einkehr, in non-upgrated-bauten, fensterhöhlen leer, buchstabiert sich die verhältnisse zusammen, im osten im osten, aus der wostok grüßt ein klon, für immer da oben, so lang die menschheit hält, sich an ihren plan (ich weiß nicht, welchen wir schreiben, b nicht, c oder doch schon über z hinaus, weils ohne nicht geht, im ungewissen, also wäscht er sich mit seife, jener mann, morgens auf der straße, seift sich ein, nur das wasser fehlt, das von oben, wischt sich ab mit küchenkrepp, nimmt die kleidung von der wäsche, und weiter gehts, ist still heute, in sachsen –

naumburg nicht mehr gesehen, seit jahren, oder weimar, den e-berg, jetzt abseits der strecken, die wohin führen, b-movie, vorortzug, nahverkehre, abschätzig geliebt, stop nicht geldwerte leistung, obgleich weimar oder solch versunkene stätten wie der weißenfels, einstmals gestade des eiszeitmeeres, wer hat das protokolliert, wo finden sich die belege fürs transportierte gestein, mitbringsel; ich gäb was drauf, könnte ich zu den weinbergen sehen, die steil eingangs der saale, nur, dass die verschwiegen –

schau, die längste zeit seines lebens spricht der mensch nicht, wir kennen ihn, den großen schweiger, kennen die wortabscheider, und jene, die tätigkeiten verrichten, als sei es ein geschäft; vater hielt die fahne hoch, die rauchfahne abends, ein friedenszeichen, und überließ das reden dem fernsehmund, zog an der zigarette, stieß den rauch in die zelle, in der er hinab sank –

wollt sie verborgen sein in dieser höhlung, nur erreichbar über den netzgang, dessen feines gewebe transparent, fixte sich hinein, sah sich eingewoben, und der große wagen war längst abgefahren, schon in den sechzigern, der wolga des onkels, schwarz, der sie manchmal zum sputnik gebracht, auf die umlaufbahn dieser ominösen stadt, auf der er immer noch kreist –

bleib im laubstrom, bewege dich hindurch, soviel gefallene, der dumpfe ton, spitze klang, wenn ein blatt sich verhakt ab und an, der laubrecher mühen, man wills nicht haben, das abgestorbene, fühlt sich aus dem gewahrsam genommen, sonst, von pflicht und abendlichem ebbegang, dem absang in der küche, wenns raschelt, unversehen –

der junge, der mal mein vater gewesen – von ihm weiß ich nichts, den leidenschaften, interessen, ob er dinge gesammelt wie etwa jene braunstichigen postkarten mit ansichten breslaus in den 30ern, die über ihn ins elterliche fotoalbum geraten sein müssen, verwahrt in einem extra umschlag, als apokryphe zum familien-offiziellen text, es war nicht unbedingt vorgesehen, dass wir sie finden; vater hat, im gegensatz zur mutter, nie über seine kindheit gesprochen, jedenfalls nicht die bis zum kriegsende, das hineinwachsen in die bildungsanstalten, den familiären alltag, die organisationspflichten, und wie er all das wahrgenommen, im sozialdemokratischen haushalt; als hitler und konsorten die macht übernehmen, ist der junge zwei jahre alt –

ich klemme am lid des heimischen screen, schau ohne schatten ins licht, während draußen eine erste sirene, laut, später leise, sie kennt dich nicht, sirenen gehen immer fehl, bis, unter dem geflacker ihrer leuchtfeuer, dann –

die zeit hängt von den uhren ab, gehen will sie nicht, geschweige denn vergehen, sie erscheint als rabatt auf etwas, das längst nicht mehr zu haben, doch du nimmst ihn, zahlst dafür, folgst den zeigern nach, die: was? bringen, ist abgegolten schon, nur nicht gezählt, zählkandidat, das wappen auf der münze, die du zückst, macht dich wund, adler, krone, ährenkranz, börsenkrepierer, du zählst vor dich hin, gehst noch mal los, und dann –

die bogenfenster in den s-bahntüren, die mich an weit zurückliegende fahrten erinnern, in vorortbahnen, morgendlich, an den fensterschweiß, den man immer wieder fortwischte, für einen blick ins dunkel oder in landschaften, deren herkünfte verwischt, tauchte was auf hinterm glas, dessen die eigene sprache nicht mächtig, da draußen im aufgelassenen gebiet –