der geruch dieser haftentlassenen zellen notierte ich und vermag mich nicht mehr zu erinnern, in welchem zusammenhang, oder ob es nur wieder eines jener versatzstücke, die aus dem unbewußten auftauchen, gleich treibgut … Eine dieser rindenblättchen-botschaften, die die kiefern mir unablässig senden, in die loggia … Ersuchte wer um haftverschonung, übernahm die haftung für mich …

schnecken morgens, im gewerbegebiet nord, die sich vor dem verblinden retten, auf den weg, diesen formsteingefügten, wo die triebe schon zwischen den fugen, die ränder unkenntlich geworden, überwuchert von orden unkrauts, von gräsern aus zeiten, als jegliches gewächs noch einen namen hatte, jede geländewölbung, jedes geräusch, der hundert- und xste feldrain auch, eine legende –

wenn er denn seinen büroschlaf zu halten gedachte, der kater*, im obergeschoß, in dem die regionalia aufgereiht, wohin sich tags kaum jemand verirrte – es gelang ihm ab und an, durch die nur für augenblicke offene tür zu schlüpfen, so dass ich ins schwarze, das fell des universums zu sehen vermeinte, das auf diesem drehstuhl platz zu finden vermocht, mit blick auf die buchrücken, den stapel unverkäuflicher exemplare aus dem hornverlag in der ecke, blaßgelb, und gott sah durch mich hindurch, als wäre ich nur dunkle materie, eine materie, die er in einem hellichten moment ersonnen …

*in memoriam nero

im traumkino (als hätte es tags keine anderen sensationen außer den allabendlich dokumentierten kriminalfällen) stößt eine person seinem anverwandten ein stück eisen in den leib, der vakanten erbschaft wegen, ein erodiertes und gar nicht mehr glattes stück, und wenig später ereilt es ihn selbst, das geschick, vor der tür, es gelingt mir nicht, einen dritten zu warnen, ich bin nur beobachterin in diesem film, in dem auf der strasse ein wagen mit altem heu abgestellt und für unübersichtlichkeit sorgt, einer dieser wagen, wie man sie als pferdegespann oft zu sehen bekam, damals, in jener zeit mit dem malzigen beigeschmack, einer zeit, die (wie die erinnerung trügt) anscheinend ohne mord und totschlag gewesen, in der man, kaum verdeckt, eine eisenstange im wagen mitführen konnte, ohne verdacht zu erregen, eine stange, die vom rost schon so zersetzt, dass sie zu nichts mehr taugen mochte, die jahrelang dort gelegen, bis einer den ruf des eisens vernähme, des rostes bitteren klang …

sich schlängeln, wie die flüsse, gleich schlangen im gelände, die haut auftragen oder ab, sie zu markte tragen, ins tal, in die ebene, gehäutet, im fluß –

wo man noch nie gewesen, da draußen, wo die straße sich hebt, aufs land, und was verspricht (gibt es das noch, gab es das je), unterm strich –

im ahorn morgens eine etwas unflätig wirkende debatte zwischen vier eichelhähern, die sonst nie in den revieren spechts, das hat er denen sicher übel genommen und andernorts eine beschwerde in die borke gehämmert, ohne punkt und komma, wie immer, und folglich gab es signale von verschiedenen stellen, einlaufende depeschen, alef an gimel und dalet über bet, jenseits der waldung derweil das summen der stadt anhob, hinterwäldlerisch, und eine holztaube, grauselig, lachte sich eins …

neuerdings viel licht in den träumen, taglicht, weite räume, die farben spärlich, draußen die gebundene rede regens, dessen druckfahnen am fensterglas, unentzifferbar, gelegentlich unterbrochener monolog …

das gesumm einer fliege im doppelfenster, als spräche jemand mit mir durchs telefon, und mein ich, im raumanzug, auf irrfahrt, kosmischer passagier, summe von dialogen …

abgetaucht, gleich einem dieser vögel, die die tagluft nicht mögen, sich knittrig geschlafen, auf dem sofa, morgens viertel vor acht, wenn auf der straße die gleitzeitpioniere, ohne rettungsschirm an der börse, während das ich im suchtmantel verharrt …