vormittags durch die laubengänge des hochwalds, früher wähntest du dich dort verloren, als zögling einer gruppe, spürtest mit fingern den kerben in den stämmen der kiefern nach, zähltest weniger an jahren, das gold gerann im schlaf –

*angeregt durch „Hohelied“ aus dem Band „Warteschleifen aus Holz“ von Franziska Beyer-Lallauret, Oschersleben 2021

sie denkt an die schatten der mauern und gebäude im doppelnamen-ort, in denen sie nachhause lief, eines, das nicht mehr das ihrige, um die mittagsstunde, und ein zwei stunden später zum bahnhof zurück, waren gnädig und tief, diese schatten, niemand vermochte die gestalt in ihnen zu erkennen, die straßen ohnehin leer zu jener stunde, die geschäfte geschlossen, wer mochte da gehen außer einer, die sich verloren oder das, was man zuhause nennt, heimstatt oder sonst wie, wo der kopf sich bettet, wie von selbst –

sans lumiére, und keine ferne, dieser doppelnamen-ort, den ich anfang der siebziger nur im dunkeln passiert, morgens auf dem weg zur bahn, spätabends zur wiederkehr, ein paar straßen, spärliches gelichter, diese ganze existenz, in sich vergraben, die wochenenden im haus verbracht, manchmal am badfenster gestanden, auf das langgestreckte gemäuer des gehöfts gesehen, jenseitig der gasse, die geradewegs zum friedhof führte, zu den vorgelagerten abfallgruben, nicht offiziell natürlich, aber alles, was der wohlstand ausstieß, des nachts, in unbeachteten augenblicken, während vom hofgemäuer der putz fiel und das einzige ins mauerstück eingelassene fenster die woche über versperrt, nur an samstagen den kahlen schädel seines insassen sehen ließ –

komm, geh mit mir ein stück, das wir nicht vorher einstudiert, noch wissend, von was es handelt, wir sind keine handlungsgehilfen, haben keine hand frei für börsengänge, balancieren lieber am abgrund entlang, versuchen zu ergründen, was uns treibt –

so könnte man die gestalt nennen, zett wie zauderer, zögling, zeitgenosse, zweifler oder zwielichtig, zage … gezogen war sie schon, diese gestalt, aus- und weggezogen, hatte was in der rübe, sperenzchen, zweifelhafte bekanntschaften, z., und wenn da einer zaremba hieß, an der ausleihe m-z, in der bücherbewahranstalt, zerberus der abteilung, z. oder doch jenes zottlige wesen, das temporär am schalter, zu viele zotteln, wann lässt du die schneiden, behindern die sicht/ warst nie im zuchthaus oder in einem zeugenschutzprogramm, man hat dich nie als zeuge geladen, musstest nur zeugnis ablegen dann und wann, ach, ein kreuz, zugeführt dreimal, nein vier, zweimal wegen unbotmäßigkeit, einmal personenkontrolle, und das vierte mal verschaukelt auf eine o’berliner polizeiwache, zu lang richtung westen gestarrt, nahe der mauer/ z., zu viel zeit versessen wo, meist ohne zeitmesser, zeiger, deine uhren gingen immer irgendwie, nur nicht richtig, so liefs auch im leben, zufallsbekanntschaften, die fielen dir zu, zaungast sonst eher, kinder, familie, weite reisen, sex – rien ne va plus

ich ticke nicht richtig, sagst du, stellst die uhr immer viertel nach fünf, was definitiv zu spät, nach der halbwertzeitrechnung, fünfuhrfünf ging schon der zug, im zigarettenqualm auf dem perron zur schicht, der schaffner sah nicht durch, erst vor g. machte er den schwarzfahrer aus, den mit der frisierten zeitkarte, und schickte ihn hinaus, ab durch die pampa

hab den zug in b. nie verlassen, unberaten stand ich eher auf den bahnsteigen in h., k. oder s., dreinblickend, flochten waggons sich ein in die wartende schlange, glasperlenspiel, jeder ton eine unterbrechung, standest, ließest ziehen den einen, der andere stotterte was von reisezielen, den koffer bei fuß, leuchtspuren verloren sich/ einmal stranden in b., und dann nachtlang, bis vor den vögeln der lautsprecher erwacht –

bitterfelder schneisen, das abgekippte land, sich wellend zwischen birkenkohorten, sie wirkten so blass auf schütterem grund und folgten dem fingerzeig der rohre, die in brust- oder kniehöhe, es hallte der rost aus ihren mündungen, die nutzlast verlief sich im gelände, abwärme lautete auf, bevor wir geschient ins jenseits von halden –

die nacht lässt nichts zurück, außer einem unbestimmbaren gefühl von räumen, in denen man sie durchwacht, keine stimme, keine erzählung, licht wo, oder auch nicht, das sich drehen des körpers, einlenken in ferneres, die nacht trügt keine erinnerung, nur mich, hält nichts zurück, außer einem schimmer von was, das, längst noch als gedacht –

diese stadt mit dem unaussprechlichen namen, den leuten im eigenheimbau an der ausfallstrasse, dem geruch nach schwarzen krauser, dem morgendlichen bus nach fünf, der ohne halt die hauptroute durchs städtchen nahm, über die brücke, von stadteil a nach z, hinterm glas all die monde, halb- und sichelmonde, vollmonde, nicht von hier, aus dem vollzug, die jalousien und fensterläden der gebäude noch geschlossen, rundfunkgeschäft, herrenausstatter, berufsschule, sportplatz, endstation zentralwerkstatt, jenseits des bahndamms –