Archive für den Monat: Juli, 2018

er hockt auf einer bank im park des st. mary-hospitals, raucht, und blickt nach oben, folgt der kettenspur der luftfahrzeuge, vom müllwagen her der geruch von montagen

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heidelberg sehen, wenn die sonne geht, der schattenpegel steigt, ein selbstportrait machen, am postkartenautomaten, i love it, auf der rechten schulter die schloßruine, da wirst du nie hinaufsteigen, es reicht, sie zu ertragen, dich treiben zu lassen am neckar, über dessen beinernen grund, das universitätsportal zu passieren, die vorhalle und ohne gelehrsamkeit wieder hinaus, wo ein nächstes kamerablitzlicht deiner harrt, die szenerie verhellt –

alleen, die ich je ging, pappeln, ebereschen, birken, geschichte nun, durch die sich der hohlweg zieht, von versengter grasnarbe flankiert, hol dir was, der supermarkt hat seine kavernen geflutet, durch die wüstungen flößest du dich ein, die generation wüste, das sind wir –

vom stamm schälte es sich ab, das rindenlaub, noch im dunst ende november, ende der leutseligkeit von abhängigkeitsverhältnissen, ich blickte nicht hinauf in die kronen am clarapark, nur die stämme interessierten mich, deren grün-gelbfleckige leopardenhaut, war ganz ergeben, es zählte die entfernung zwischen baum und baum, der weg, der vordergründig, und waren wir verwandt, irgendwie, der bruder und ich, die ich immer ein paar schritte näher an der vergangenheit (so schien mir), während der bruder schon das klingelbrett einer der villen im platanengürtel inspizierte – hier ist es, wo du dich herausschälen wirst aus dem anthrazit des raums –

„das erscheinen der robinien“ (r. m. mueller) – da klingt etwas auf: deren heimlicher verfall im gedächtnis; die robinien beschirmten mit ihren dichten laubkronen die sackgasse aufwärts zum bahnsteig richtung l., der welt-, der lebestadt, und abwärts am abend, nur dass ich sie dann nicht mehr wahrgenommen, in des tages vergängnis, linkerhand, rechts in einem grundstück befand sich der fahrradschuppen, privat, pro woche eine mark, um das eigene rad aus dem rudel herauszufinden, oder man trollte sich zu fuß bis zur strassenecke, wo die niederlage, hielt sich dort links, was heißen mochte: innerorts, während in der anderen richtung nach ein paar letzten häusern das ende, die pampa, steppe oder sonstwas, was keinen namen hatte, wo die gräser sommers so hoch, beidseits der strasse, dass man in deren silbenzahl zu versinken drohte, im abendlicht, das rötlich …

per rad am filigranen schattenwurf der kamille vorbei, die immer noch blüht, ab und an vernehmlich duftet, ein geruch, der mich schwindlig macht; auf der bank an der haltestelle saßen zwei in sommerkleidern, geblümt, die bahn kam auch bald, ich blickte ihr nach, stellte mir vor, wie sie sich durchs wäldchen richtung stadt bewegte, schlangenhäutig –

sie wartet auf dem platz vor der kirche, dass die engel kommen, im schwarz gepunkteten sommerkleid, mit einer handtasche vor dem bauch, mehr hat sie nicht, schaut geradeaus auf die einmündung der straße, auf der es nicht weitergeht, in der man quer zur fahrbahn einen graben ausgehoben, von dort kommt niemand mehr –

der mond hockt auf dem sozius, unterm helm, er macht sich kleiner und kleiner, im rücken des piloten, der nichts davon wahrnimmt und ohne rücksicht vorwärts, immer vorwärts auf der bahn, diesem gräulichen asphalt, der bald in ein pflaster übergeht, von dem jeder einzelne stein –

lieber im vollzug, sagte er sich, als der straßen wahn, in vollzügen hatte er schon manches ausgesessen und war gut gefahren damit, hockte da, lebenslänglich, bereute nichts, neun uhr abends verglomm es, das kümmerlicht, im waschbecken, und du zerlegtest dich, entlassen in die kammern schlafs, in der anstalt –

herrenloser hund heißt es, wenn da einer ohne begleitung, ohne leine, geschirr, ohne einen, der sagt, wo es lang geht oder geführt werden will – wie dieses fuchsrote, kniehohe wesen, das die einmündung der straße zu queren im begriff, sodass ich mich langsam näherte, auf dem rad, gewärtig, gleich frauchen oder herrchen an der ecke auftauchen zu sehen, mit den insignien ihrer herrschaft, doch da folgte niemand seinem leitgetier, dessen fell zottelig, feucht von den nebeln des morgens, das nun in der fahrbahnmitte verhielt und überlegen mochte, wohin, es war ein anderer trott, nicht der gewohnte, und die freiheit eine trügerische –