Archive für Kategorie: Werkstatt

diese sucht neuerdings, fotos zu machen, bilder (ich spreche von mir), kein gang vergeht, ohne dass (gut, dies vergehen, eine minder schwere tatsache, es klingt milde, das urteil; wir vergehen uns an der natur, beispielsweise, was verhängnisvoll, nicht in ihr, oder nur noch selten, wir wissen die wege, doch die witterung hilft uns nicht weiter, es sei denn, wir wittern den schnee, den kommenden, der dort, von wo er herzieht, schon war, am niedergehen, abgehen, wir täuschen uns in den zeitaltern –

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Die ersten 17 jahre im treibhaus der enklave, dann fiel ich da heraus, 1971, und wirklich änderte sich da was, obgleich ich auch in r. in einer art schutzhaus, doch im zweiten aufgang des blocks wohnten schon andere d.h. normale leute, ohne präferierte weltanschauung wie in unserm beamtenhaushalt, das hatte ich all die jahre davor nicht resp. nur jenseits des zauns – treibhaus, schutzhaus also, und dann alles aus, raus aus dem haus. Innerhalb von zwei jahren revolutionierte sich alles (1971/72) – andere freunde, fragen, bezüge, zweifel am system, justament in dem moment, da honecker größere freiheiten versprach (künste, literatur),eine neue offenheit, die romangestalten wie edgar wibeau zeitigte, in kurzer zeit … Allein die tatsache, daß ich bis zu meinem auszug keine wohnungen ohne innentoilette und bad gekannt, während ich selbst danach bis in die 90er nur wohnungen haben sollte, die über treppen- oder gemeinschaftsklo und -bad verfügten, wie auch etliche der wohnungen der freunde – nirgendwo in der verwandtschaft hauste man so –

[2016]

wer spricht:

gib deinen anspruch auf und laß geschehen
treiben, austreiben, was in diesem geschehen
verborgen ist, sprich nicht hinein
vergiß dich, laß dich: sein

[dies notierte ich 1992, und der kontext schien ein sehr persönlicher – heute irritieren mich diese zeilen eher …]

 

möglicherweise die erste, an jenem ort, an dem sich ferienhäuser aneinander reihen, die hier morgens kurz nach vier auf die straße blickt, punktuell erhellt von grünlich-weißem laternenlicht, ab und an blinken die wegleuchten in den gärten auf, leuchten weg, was sich bewegt, die fühler von gräsern, zweige eines strauchs, jegliches getier – nichts zu sehen, wer läßt sich auch freiwillig darauf ein zu dieser stunde, außer einer verlorenen seele vielleicht, auf dem weg zu sich selbst, während im radio die stimme der landrut, die nicht trägt …

es war ihm darum gegangen, die fremdheit im eigenen zu behaupten, weshalb er französische titel bevorzugte, eine sprache, die fremd genug, sie zu verstehen …

immer noch diese zeile im kopf, die mir vor tagen ein- oder zufiel:

wenn das licht verascht, am morgen

und sie erinnert mich an volker brauns topos vom knirschenden morgen – was da an verheißung, im aufbruch, wird grau, und es ist eine ermüdung darin, er will kaum losgehen – ich weiß nicht mehr, ob ich das damals so begriffen habe: dass dies zukunftsversprechen schon im beginnen versackt, verpufft, obgleich der hoffnungskader viele – die crux liegt immer im beginnen, im ansatz …

jener bursche in der bahn, etwa sieben jahre alt, dicke brillengläser, den ich im schwarz hinterlegten spiegel des fensterglases erblickte – ich musste immer wieder hinschauen, zu diesem jungen, der etwas unbeholfen in seinen bewegungen wirkte, dazu auch überdreht – die  lange fahrt nach k. hoch redete er auf seine mutter ein, insistierte auf etwas, das sie nach ihrer ankunft zu hause unbedingt tun wollten, ja sollten, es hörte sich so an, als machte er einen vorschlag, verpackt in einen fragesatz, dessen gegenstand kaum variierte und den er nach kurzen pausen wiederholte – es steckte soviel an erwartung darin, dass ich davon ganz eingenommen war, während die mutter nicht darauf einzugehen schien – es war, als hinge seine existenz davon ab, dieses mögliche, vor ihnen liegende immer von neuem zur sprache zu bringen, es zu fixieren, und es erweckte den eindruck, als gedachte er seine mutter so zu trösten, doch die zeigte sich zunehmend peinlich berührt, versuchte ihn zum schweigen zu bringen, in dieser bahn, in der das größere schweigen schon einzug gehalten, und ich stierte in die schwärze des glases, in diese nicht zu leerende finsternis mit dem abbild des jungen, der schwarz geränderten brille, die mich an irgendjemand erinnerte; dann verließ ich den wagen und sah sie auf ihrem doppelsitz, der tür halb zugewandt, miteinander ringen …

es ist ein fremdes, verlorenes dieser tage, allein das fotografieren funktioniert noch und zeitigt bilder, die ich lang anschauen mag; auf dem display erscheinen sie wie gerahmt, hinter glas, berührbar und doch entrückt, entzogen, darin die widerspiegelungen dessen, was sich in ihm bricht, widerspricht …

unter einer brücke hindurch, auf der anderen seite regnete es, hatten sich pfützen gebildet, auf dem asphalt, dies typische schwarzgraue geplänkel, ich spürte den regen nicht, sah nur die auf dem wasser aufkommenden tropfen und dachte: nützt nun ja alles nicht, lief weiter, erinnerte mich der eisenbahnbrücke in r., die ich gelegentlich unterquert, jenseits derer man unvermittelt in einer welt, die eine andere sprache hatte, eine sprache, deren geschmack man in den vorortzügen zu spüren bekam, zentralwerkstatt, werkhallen, baracken, wildwuchs von gräsern, einer lost-generation von gewächsen, die im stadium des vergilbens, immerzu, dieser grad von verwesung, so wie die sprache lediglich auf ein vorleben hindeutete, ein endliches, ohne fragesätze, stets die absenkung am ende, in diesen ansätzen, und dann die grindigen schalen der äpfel in den vorgärten, die sie zu unberührbaren machten, einer sorte von hartgesottenen, die ihr nachleben in einweckgläsern fristeten, ein testament für die nachgeborenen …

hab einen wortschatz angesammelt, kann ihn nicht wiederfinden, wo –