Archive für den Monat: April, 2015

die erdmutter, grüne kutte, kapuze übergezogen, umhängetasche, beigefarben, stock, gebeugter von jahres- zu jahrestag, bewegt sich fort, immer dieselbe runde im revier, dauer: die ewigkeit eines halben tags, entgegen der sonne lauf, den blick zu boden gerichtet …

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drehte eine runde im viertel, abseits morgendlicher arbeits- oder schulwege, denen ich äußerlich nicht verpflichtet, ein treibholz eher, vom wasser ausgelaugt, der sonne … all das grau, das für manche im alter sich zum grauen verdichtet –

wächst das rettende auch, holder, oder sind wir längst verlorene, weil wir die regeln außer kraft gesetzt? Der zeitungsausträger, immer nach sechs, blickt heute öfters nach oben, als ob in der wolkendünung was zu entdecken, zwischen den archipeln und fjorden, die über ihn hinweg ziehen, dabei wir es doch sind, die auf dem oberdeck sitzen, den atlas vor augen – Wächst das rettende auch, und wem, im mittelmeer etwa, das seine toten nicht zählt, all die, auf die wir nie gezählt haben …

manche der stubben in der heide, aus dem boden gerissen, gleichen urzeitlichen tieren, von denen nur noch der widerrist zu sehen, halb eingesunken …

: „diese männer haben mir was in den kopf gesetzt“ – „hast du gerade an meinen haaren gerochen?“ – „ich habe nichts rausgekriegt“ – „da kann ich nur kapitulieren“ – „Ich tu das nicht wegen gestern nacht“ – „Ich würde dich gern küssen“ – „du bist der journalist!“

der dreiviertelmond, winzig überm ahorn und doch deutlich wahrnehmbar in seiner kugelgestalt, wie selten. In der ahornkrone der frühherbstliche wettbewerb – all das getier, das gefiedert, bezieht position, liefert sich kampfabstimmungen, hält ernte … Spätsommermorgen dieser art waren es, die mich in den achtziger jahren an den elsterkanal lockten, auf jenes wegstück südlich der schleußiger brücke, das dann im schatten des auwaldes gelegen, diesem tiefen und klaren schatten, nur hie und da durchbrochen von einer lichtschneise, die das wasser, dieses weiche wasser der schatten, an den gräsern der uferböschung abperlen ließ, am strauchwerk, den hagebutten – ich ließ mich gleiten in dieses weiche wasser, es konnte sein, daß ich eine halbe oder viertel stunde dort verharrte, ehe ich zurückkehrte, in die wohnung, wo das licht ernüchternd … So daß es mich immer wieder zum kanal trieb, den august, september lang, wenn die wasser der schatten an klarheit gewannen, ich bis zu deren grund zu blicken vermochte, der trotz der klarheit etwas verschwommen, weil das wasser so weich, es in ihm verwirbelungen geben mochte, oder es sich in schichten übereinander geschoben, sodaß es wirkte wie im flusse geronnenes glas –

[tagebuch 08/IX/2009]