Archive für den Monat: Dezember, 2012

an einem der wege in der heide baumstämme, toten gleich, die nebeneinander gelegt, halb verdeckt vom schnee …

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im frühsommer des jahres 1989 hatte ich notiert:

unserer stimmen rauch, sirenen gleich

heute fand ich diese notiz, auf einem zettel, vergilbt, der jahrelang, in jener zeit, die immer noch nach ihrem ausdruck sucht, auf der schreibtischplatte gelegen haben mochte, ein ansatz, aus dem letztendlich nichts geworden, obgleich ihm etwas innewohnt, das sich nicht im ersten augenblick bekunden mag – daß es sich entwickeln würde, hatte ich wohl gehofft und das papier ab und an zur hand genommen.

sank tief ein in den schnee, beim rundgang durch die heide, und wieder war dies rascheln und knistern zu hören, das von einem tier hätte herrühren können, doch waren es böen, die sich ab und an verfingen im restlaub, dem braunen; ausgangs der heide dann zwei skiläufer – ich mochte sie nicht, nicht in diesem augenblick, da sie vor mir auftauchten und ich das zischeln ihrer bretter vernahm, mochte ihrer spur längs des waldrands nicht folgen und trat also geradewegs auf die straßenkreuzung hinaus, wo der belag faulig grau …

die handschrift wandelte sich, als ich im begriff, mir erinnerungen an die schule aufzunotieren, an jene in der t.-straße, die ich bis anfang der 70er besucht hatte, und mich dabei, ich saß im freien, beobachtet fühlte – plötzlich dieser extrem sich nach rechts neigende oder vielmehr fallende schriftzug, wie ich ihn damals gepflegt, für kurze zeit, und der der klaue (ja, so hatte der lehrkörper das genannt) des schulfreundes d. nicht unähnlich, der in einem nördlichen stadtteil von l. zuhause gewesen, in der seelenbinderstraße, gleich neben der kaserne … Indes vermochte ich nichts dagegen zu tun, zeile für zeile füllte sich mit dieser schrift, die ich eigentlich gar nicht mochte, wiewohl ich jenen freund gemocht und verschiedene male auch besucht hatte – einmal hatten wir einen nachmittag lang auf dem hochbett in der laube seiner eltern verbracht, dicht unter der zimmerdecke, wo es nach teer roch; der garten war neben der mülldeponie gelegen, die zum teil schon überwachsen, und wir lagerten also am fuße dieses schuttberges auf dem bauch und blinzelten durch die spaltweit offenstehende tür der laube ins licht, während seine eltern draußen die beete gossen oder unkraut jäteten – mehr passierte nicht

das knistern des eises auf dem weg, unscheinbarer schichten überm wie unterm laub, die abzweigenden pfade zum grund hin überwuchert, pfade, die wir vor jahren noch öfters gegangen, und es hat den anschein, als ob dies nur unserem ausbleiben geschuldet, wie auch der zustand der hölzernen brücke überm fließgewässer, von der aus wir das sonnenlicht sich im wasser spiegeln gesehen und die nun von den gräsern eingenommen, kaum sichtbar, und wer weiß, ob sie überhaupt noch intakt –

als ich heute morgen die stelle passierte, das geraschel von vögeln im eichenlaub, das in den baumkronen verblieben, und dieses knistern, im regelmaß der schritte ein takt, der eine sprachmelodie entstehen ließ, einen satz, dem ich minutenlang nachlauschte – in höhe forsthaus indes hatte ich ihn schon wieder verloren, und nur noch die erinnerung daran, daß da etwas gewesen, das mehr als ein klang …