Archive für den Monat: November, 2013

nun wieder die zeit, da sich fahrzeuge über nacht in pelzige tiere verwandeln, morgens der blick auf deren buckel, diesen stumpf gewordenen glanz …

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das heft des in bützow lebenden autors wolfgang mundt wiederentdeckt, ein heft mit gedichten, die zum teil in den 70er und 80er jahren entstanden und 1998 in dieser kleinen sammlung unter dem titel „elektrisch zarter schmerz“ erschienen sind – ich weiß nicht mehr, wie und wo das heft in meine hände gelangt, diese flaschenpost eines weithin unbekannten, möglicherweise habe ich es in der „bunten stube“ in ahrenshoop aufgelesen, weil mich der titel oder die farbgraphik auf dem umschlag neugierig machten …

es finden sich zeilen und bilder in den sparsam gearbeiteten texten, die oftmals in ihrer schönheit überraschend, und wieder andere, die mithin irritieren, verstören und den eindruck einer gewissen beschaulichkeit, den man anfangs gewinnen mag (die gern als „romantisch“ oder „besinnlich“ bezeichnet wird), konterkarieren – da heißt es beispielsweise an einer stelle:

Und der kleine Hund, den die junge Frau
an der Leine führt, ist Körper
wie das Aas mitten im Herzen.

wenn ich die gedichte aus den 70ern lese, fühle ich mich unweigerlich an die eigenen anfänge und die meiner literarischen freunde erinnert, diese unbedingtheit, von der wir bestimmt wie getrieben, in einer wirklichkeit, von der wir eher die schattierungen des grau wahrnahmen … Folgendes Gedicht bildet den Anfang des Bändchens:

Nächte gibt es, du schläfst und weißt das nicht:
am Fenster da steht der Kranke vor der Idiotie
der Sterne und auf dem Bahnhof geht die Wache
im dunkelblauen Kleid.
Schlaf nur, die Nacht bricht um, du atmest noch,
fängst Worte ein, stimmlichen Hauch,
in des Zimmers Äther, und die Erde schwingt,
schleudert fort die Sterne.

[Wolfgang Mundt: Elektrisch zarter Schmerz. Rostock, Literaturförderkreis KUHTOR e.V., Rostock 1998]

nachts ins lichtleere geschaut, in pfützen auf dem asphalt – als es erneut zu regnen begann, ein funkeln unter der oberfläche, irrlichtern, tonlos; die wolkendecke riß immer wieder auf, ab und an das viertel mond, eher noch sichel, das sichtbare, klinge, deren existenz ich mich versicherte, wort mit einem schweif von anklängen, einer schleppe von bedeutungen …