Archive für den Monat: Mai, 2013

Worte sind es, die ich im erwachen als erstes wahrnehme, noch vor dem licht – die sprache ist ein geschirre, denn kaum erwacht, bin ich versucht, etwas auf den begriff zu bringen, und sei es nur eine definition des augenblicklichen zustands, geschlossenen oder geöffneten auges: leichter kopfschmerz, ein ziehen in der rechten schulter – medizinisch geschulte zeitgenossen wissen mit diesen symptomen sicherlich etwas anzufangen, während ich mit einem absurden handwerk beschäftigt: welches war heute das erste wort, das dir beim aufwachen eingefallen? Als ich nachts auf toilette mußte, dachte ich über einen antrag nach, voll geschäftig, obwohl gerade aus dem traum gerissen. Die augen geschlossen, formulierte es, das halbwache, zeilen um und neu – das beschäftigte mich, also beschäftigen mich die worte, fungieren als arbeitgeber. Hoffnungslos, dem zu entrinnen …

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– ich hatte schon immer diesen hang, mit dem ende zu beginnen, weshalb es mir auch verleidet, geschichten zu erzählen, jedenfalls solche, die linear, denn die idee von einer geschichte bedeutete schon deren ende, deren tod: was ich wußte, mußte ich nicht mehr schreiben …

täglich an jenen baumstämmen vorbei, die am rande des wegs zu einer strecke aufgereiht – schon seit dem winter lagern sie dort, die man vordem erlegt; erlegen und zur strecke bringen scheinen lediglich synonym für das eine wort, das in diesem zusammenhang selten einmal fällt, und zum andern sind sie kaum zu übertreffen in ihrer bildhaftigkeit: sich ein wild erlegen, es zur strecke bringen. Zunächst der gedanke, daß man in der jägersprache irgendwann zwei vorgänge (erlegen und zur strecke bringen) zu einem verkürzt hat, wobei die redewendung zur strecke bringen möglicherweise auch aus der beobachtung des sterbenden tiers resultiert, das die läufe von sich streckt …

an des schwarzwassers fauligen rändern entlang, in der heide, der wind wirbelt das altlaub auf, als handele es sich um treibsand …

Traumsequenzen, die in erzähltexte integriert und als solche auch annonciert werden, eignet oft ein geruch von künstlichkeit, selbst wenn sie nicht erfunden sind. Es sind die ihnen zudiktierte funktionalität und beweiskräftigkeit (nein, ich spreche ihnen dies per se nicht ab, sie mögen es in sich haben, in subtilerer art, als es jegliche zuschreibung zu leisten vermag), die ich als störend empfinde und die mich vom grunde der erzählebene und -zeit zu entheben drohen … Und ich möchte noch weiter gehen: die aufzeichnung des traums selbst stellt dessen innere verletzung dar …